Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1884, Bd. 3, H. 1/12)

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Der Unglückliche ist gleich mir rükenmarksleidend und gelähmt, nur mit 
dem Unterschiede, daß er sich verhältnißmäßig auf der Besserung und wohler, 
namentlich schmerzfreier als ich befindet. Der betreffende Herr war früher 
schon so zurü>, daß er gehoben werden mußte und ein Schwinden seiner 
Muskulatur eintrat. Augenbliklich gieng er indessen 3 mal des Tags 
wieder je eine Viertelstunde, wenn auch am Arme eines Dieners. Sein 
Allgemeinbefinden war entschieden vorzüglich , seine Muskulatur brettartig 
hart geworden und derartig ausgebildet, daß ich mir aus seinen Armen 
schließlich ein Paar Beine hätte machen lassen können.“ 
„Auf Hinweis dieses guten Vorbildes studirte ih nun mit einem 
andern Leidensgefährten mit Eifer, der sich je weiter wir in der Lektüre 
kamen, zum Feuereifer ausbildete, Jhre „Entde>ung der Seele“ und später 
„die Normalkleidung als Geosundheit5schuß“. J< danke Jhnen noch heute 
für die genußreichen Stunden, die mir das geistreiche, tief durchdachte Werk 
gewährte. Das Resultat ist, daß Sie mich zu einem glühenden Anhänger 
gemacht haben, der zu der Vorzüglichkeit Jhrer Gesundheitsregeln volles 
Vertrauen hat.“ 
Rassenduft. Kriminalrath Dr. R. Liebich schreibt in seinem Buche 
über die Zigeuner? „Die Zigeuner haben eine eigenthümliche, widerliche, 
in geschlossenem Raum besonders auffallend wahrnehmbare Atmosphäre, 
deren Geruch sich ebensowenig beschreiben läßt, als der wesentlich davon 
verschiedene, nicht minder spezifische, jedem Kriminalisten und 
Polizeibeamten bekannte Geruch der Armuth.“ 
Gaumwolleinfuhr. Nachfolgender Zeitungöausschnitt aus der „Täg- 
lihen Rundschau“ zeigt, daß das Eindringen der Baumwolle in die b13 
dahin nur mit Wolle, Linnen und Seide arbeitende Bekleidungsindustrie 
sich ebensowenig glatt vollzog, wie die von mir in Scene gesetzte Reform: 
„Von einem |tragikomis<en Wollapostel erzählt die Chronik des 
Jahres 1734. Zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts brachte die ostindische 
Kompagnie meist Baumwollstoffe in größeren Mengen nach England, wo diese 
orientalische Baumwolle eine ziemlich rasche Verbreitung fand; doch die privile- 
girten Zünfte der Schafwoll-, Leinen- und Seidenweber erblikten in der jungen 
Industrie nicht ihren künftigen Gehilfen, sondern einen furchtbaren, ihnen verderb- 
lichen Rivalen, der die bisher in England und Europa bekannte Bekleidungsweise 
von Schafwollstoffen verdrängen könnte. Und in der That ergieng auf deren 
Andrängen im Jahre 1721 das absolute Verbot, Baumwollstoffe überhaupt zu 
tragen, und zwar bei Strafe von 5 Lstrl. für den Bekleideten und 20 Lstrl. für 
den Verkäufer der Waare: bei dem damaligen Kaufwerthe des Geldes eine wahn- 
sinnig hohe Strafe. Dieser Fanatiömus gegen Baumwollwaaren nahm auch ko- 
mische Formen an, und so war im „Gentlemans JIntelligencer“ vom 3. Mai 
1784 folgender Bericht aus Cork (Jrland) zu lesen: „Heute ward Michael Carmody 
hingerichtet, aus welchem Anlasse die Corker Weber, deren Geschäft in Folge der 
Baumwollmode seit lange darniederliegt, beschlossen, den Delinquenten, den Scharf- 
richter und den Galgen ganz mit Baumwollzeug zu bekleiden, um dadurch diesen 
Artikel in Verruf zu bringen. Der Delinquent hielt, mit dem Strike um den 
Hals, folgende Ansprache an das Volk: „Jhr Männer der Stadt, vernehmet die 
lezten Worte eines sterbenden Sünders. J<h bin zum Verbrecher geworden, seit- 
dem unsere Schafwollfabrikation in Verfall gerathen ist. DeSshalb, o gute Christen, 
bedenket : wenn Jhr fortfahret, Eure alte Industrie zu vernachlässigen, um solches 
Zeug zu.tragen, in welchem ich jezt vor Euch stehe, so wird das ganze Land in 
Noth verfallen, und es werden no<h viele sol<her Uebelthäter erstehen, wie ich einer
	        

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