Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1884, Bd. 3, H. 1/12)

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erhielten nur drei deutsche Firmen diese Medaille). Dem ging eine 
Besprechung des Wollregimes in ca. 50 englischen Zeitungen voraus 
die meistens nicht bloß günstig, sondern außerordentlich günstig lauten, 
mit einziger AuSnahme des Berichts einer jüdischen Zeitung. Den 
Chorus eröffnete die Times mit einem langen Artikel vom 4. Oktober, 
dem ein zweiter ebenso langer in der Nummer vom 140. Oktober 
folgte. Zum Beleg dafür, an welch richtigem Ende, nämlich an den 
Riechstoffen, die Sache von den Engländern gleich Anfangs angefaßt 
worden ist, reproduzire ich das erste Fünftel des Times-Artikels vom 
4. Oktober. 
„Ein neues Evangelium erreicht uns von Deutschland, welches die physische 
Wiedergeburt der Menschen zu werden verspricht, wenn wir nur, so zu sagen, eine 
einfache Reform in unserem Kleidungssystem annehmen wollen. Dies ist weder 
ein puritanischer Angriff auf die Extravaganzen der Mode, no< ein Wiederauf- 
leben der herkömmlichen Deklamationen gegen das enge Schnüren. Es ist eine 
medizinische Theorie, gegründet auf die genaue Beobachtung des thierischen Lebens, 
erklärt durc< wissenschaftliche Experimente und bewiesen durch praktische Erfahrung. 
Die Lehre geht von dem fundamentalen Grundsatz aus, daß, da wir Thiere sind, 
wir wie Thiere gekleidet sein sollten. Das CEinsaugen giftiger Ausdünstungen der 
Thierwelt durch die Pflanzenwelt ist, wie es scheint, ein Borgang , nicht beschränkt 
auf lebende Pflanzen, sondern fortgesezt durch pflanzliche Fajern wie Baumwolle, 
Leinen 2c., mit dem Unterschied, daß, während die lebende Pflanze diese Ausströ- 
mungen assimilirt, die todte Faser dies nicht thun kann, sie dagegen, wenn be- 
feuchtet oder durchwärmt, wieder von fich gibt. Unsere Kleider ziehen in Folge 
ihres pflanzlichen Charakters diese schädlichen Stoffe an und halten fie zurüc, 
während sie do< im Gegentheil so rasch wie möglich abgeworfen werden sollten. 
Dagegen ist thierisches Material, wie die Wolle, von der Natur dazu gemacht, das 
Thierleben zu beshüßen, und sie wird die Verdunstung der Ausströmungen des 
Körpers nicht verhüten, sondern befördern. Dies kann sofort durch den Geruchs- 
sinn bewiesen werden. Es genügt, Kleidung von reiner Wolle durchaus zu tragen 
und sofort hört das auf, was unangenehm ist in der leinenen Unterkleidung, dem 
baumwollenen Futter des Ro>es 2c. =- Aus diesen Thatsachen leitet Dr. Gustav 
Jäger, Professor der Zoologie und Physiologie in Stuttgart, seine medizinische 
Theorie her, welche in unglaublich kurzer Zeit unzählige Schüler gewonnen hat.“ 
Weiter ging in England Folgendes voraus: Zuerst erhielten 
wir für unsre eigenartig konstruirte Unterkleidung, Hemd und Hemd- 
hosen, zwei uns vollständig shüßende Patente, und später erhielt ich 
außerdem no<h ein das ganze System zusammenfassendes Patent. 
Das fordert denn do<h wohl eine Vergleichung mit dem, wie 
es in Deutschland ging, heraus. Erstmals ausgestellt wurde unser 
Regime im Sommer 1881 auf der württemb. LandeSindustrieausstel- 
lung. Der Antrag auf Prämirung fiel unter Gelächter durch (siehe 
Monatsblatt 1883 Nr. 9). Das zweitemal erschienen wir auf der 
Hygiene-Ausstellung in Berlin, wieder ohne eine Anerkennung zu 
finden. Daß es uns nicht möglich war, schüßende Patente zu finden, 
wissen meine Leser. Selbst das Bescheidenste, was ein Geschäftsmann 
erwarten kann, den Schuß seiner Marke zu erlangen, ist bei uns mit 
den größten Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten verbunden, und 
der deuts<e Markt ist in Folge dessen mit einer Shundwaare von
	        

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