Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

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bekämpfte Dr. Lahmaun die leinene Leib- und Bettwäsche und Unterkleidung als 
für beide Geschlechter hö<hst gesundheitssc<hädlih. Er weist überzeugend den die 
Körperausdünstung hindernden undurc<lässigen Charakter der Leinwand nach, deren 
Tragen die Ursachen vieler Krankheiten, besonders der Erkältungen und Rheuma- 
tisSmen bilde. Ebenso schädlich sei der Shirting und Kattun, wie er jet als 
Kleiderfutter zur Verwendung komme. Auch die Kleidung der Frauen müsse wefent- 
lich. geändert werden; der weibliche Unterleib sei falsch bekleidet, das Korsett ein 
großer Feind der Gesundheit. Redner beschied sich, daß die Frauenwelt auf das 
Korsett, das Figur mache, nicht so bald verzichten würde; mindestens sollte es 
möglichst durchlässig gearbeitet sein, die nötige Zahl Spangen enthalten und keines- 
falls von Kindern und jungen Mädchen getragen werden. Redner warnte sehr 
vor den Kattunkleidern der jungen Mädchen, überhaupt vor den spinnewebartigen 
Stoffen, die erst durch Kleister Halt bekommen, an den Sommerabenden Feutig- 
keit anziehen und Erkältungen herbeiführen. Weg mit dem Kattunfutter bei den 
Westen der Männer und den Taillen der Frauen! Leßtere sollen als Oberkleid 
buskinartige Stoffe tragen. Dr. Lahmann unterschrieb alles, was Dr. Jäger 
bezüglich des Tragens von wollenen Oberkleidern und Trikotstoffen gesagt; sfelt- 
samerweise verwirft er aber die Wolle für die Unterkleider und Leibwäsche. Er 
trägt einen Jägerschen Oberro> und Hose, aber ein baumwollenes Hemd. Aller- 
dings will er die Herstellung baumwollener Wäsche wesentlich verbessert haben; 
eine Fabrik in Württemberg, mit welcher Dr. Lahmann geschäftlich enge Beziehungen 
unterhält, spinnt nach seinen Angaben die Baumwollfaser weit lokerer, so daß 
das Gewebe durchlässiger ausfällt. Ob bei diesen von ihm „Reformbaumwolle“ 
benamsten Stoffen auf Kleister und ähnliche Appretierung ganz verzichtet wird, 
sagt er nicht ; glaubhaft ist es, da der Erfinder von dem Gewebe rühmt, es ermög- 
liche eine gute Hautausdünstung und sorge dafür, daß der Schweiß aufgesaugt 
und. abgedunstet werde. Dy. Lahmann bedient sich überhaupt in fast rührender 
Weise des Jägerschen Gedankenganges , seiner Vorschläge und. Ausdrucsweise. 
Wenn er für die Unterkleidung die Wolle, verwirft, so. führt er dafür an,. daß. die- 
selbe die Haut zu sehr reize und zuleßzt verweichlihe. Dem wurde jedoch von zwei 
Anhängern Jägers am Sclusse des Lahmanns<hen Vortrages ganz entschieden 
und mit Hinweis auf die nunmehr jahrelang vorliegenden Erfahrungen vieler 
Tausender von Wollenen widersprochen. Auch, die Jägevianer erkannten: an: Baum- 
wolle, namentlich nach der verbesserten Methode Lahmanns gewebt, sei: immerhin 
ein Fortschritt gegen Leinewand und gekleisterten Kattun, aber sie sei ein Rückschritt 
gegen die volle Wollkleidung Jägers. Wozu etwas nur halb thun, oder gar einen 
Scritt rüFwärts? Wenn man das Gute voll und ganz haben kann, warum es 
nicht benüßen? Dr. Lahmann hat keinen einzigen Jägerianer, die einen erheb- 
lichen Teil seiner nicht sehr zahlreihen Zuhörerschaft ausmachten, bekehrt. Die- 
selben sagten. sich :: ohne Professor Jäger nie ein Lahmann; daß aber der Zaun- 
könig, der sich dem Adler auf den Leib gesetzt hatte, nachdem der königliche Aar 
hoch in die Lüfte gestiegen war, ausrief: „I< fliege do< am höchsten von allen 
Vögeln!“ dessen erinnerte man sich aus der Schulzeit, 
2. Ein Eingesendet im Inseratenteil der „Dresdener Nachrichten" 
Nr. 405 vom 14. April 1888, welches lautet: 
Entgegnung. Der Herr Referent der „Dresdener Nachrichten“ über meinen 
lezten Vortrag muß mit den Prof. Jägersc<hen Schriften nicht-genügend bekannt 
sein, da er sonst nicht die Bemerkung in Nr. 103 d. Bl. hätte machen können, 
daß „Dr. Lahmann sich alle Gedanken des bekannten Wollapostels Professor 
Dr. Jäger angeeignet hätte“ mit der Nebenbedeutung, daß Dr. L. ein Nachtreter 
Prof. Dr. I. sei, Der: Schwerpunkt meiner Bestrebungen liegt darin, den wirk- 
lich en Grund für das Ungeeignete der bisher üblichen Leinen» und Halbleinen- 
(Baumwoll-)- Unterkleidung darzulegen. 
Prof. Jäger macht es sich bequem und sagt" einfach :",Die“ Pflanzenfäser 
„stinkt“ und daher ist sie zu Bekleidungszwe>en nicht geeignet.“ Prof. Jäger
	        

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