Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

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Ich teile Ihnen dies nur'"mit, hochverehrter Herr Doktor, um Sie 
zu Überzeugen, daß ich shon am Standpünkte vollkommener Wetterfestigkeit 
angelangt war. << begann in der Provinz und niemand ' kümmerte sich 
um mich und hier in Wien kümmerte ich mich um niemanden. : 
Allein die Zache hatte ihre böse Seite. Die Journale, sogar die 
Bühne nahmen " 3 von nir, wenn auch in wißig-harmloser Weise und 
der Umstand, daß ich ein „Wiener Original“ wurde, hätte" mir äls voll- 
fommener Privatmann oleichgültig sein können, "allein mein Brot"ist ZIn- 
genieu?", und das wurde damit in Frage gestellt. Jebt kamen Leute, die 
mir zuredeten, eine Zeit hindurch wenigstens im schwarzen Salonro> zu 
erscheinen, bis ich erreicht hatte, was ich anstrebte: eine Anstellung: ''Stel- 
len Sie sich vor, ich sollte in dieses Gift hinein, nachdem ich 4 Jahre'(mit 
Auzsnahme ves Zettes, das ich nie besaß) in Wolle wär! = I< über- 
wand's durch * Wochen over 4 Wochen, jede Minute benüßend, üm wie- 
der in die Wolle zu gleiten. 
Mein Körper widerstand aber nicht dem Aitentat; "vor vielleicht 
7 Wochen lag ich bewußtlos im schwarzen Anzug am Boden, aß 6 Tage 
nicht3, 12 Tage gab ich das zurüc>, was man mir einflößte, "wa? vollkommen 
von Kräften Z,ekommen, Tkel vor allen Alkoholen und Speisen, nur Suppe. 
Heute noch gab ich das Mittagessen wieder zurü>, und spu>e 8 Täge 
Blut, der ich stets mir auf meine Lunge die größten Dinge zu Gute that. 
Es ist natürlich, daß ich Ihrem Regime jeht erst recht getreu bleibe 
und sollten auch die materiellen“ Fragen darüber die ernsteste Wendung 
nehmen, aber nachdem Sie. Bröshüre und Fachzeitung erscheinen lassen, 
wie ich weiß, so glaube ich, müssen solche Kundgebungen von Wert für 
Sie, ho<hverehrter Herr Doltor, sein. Fi 
Mit dem AusdruFe der ausgezeichnetsten" Hochachtung verharve ich, 
hochverehrter Herr Doktor, Ihr mit Herz' und Sinn ergeben LH 
Wien, den 17. Nov. 1887. A. K4 'Ingenieuk: " 
PS. Verzeihen Sie die unvollkommene 'Stilform, ällein ver" ner- 
„vöse Krankheit5zustand kürzt mein Aufbleiben auf wenige Minuten. " Hoch: 
achtungsvoll. 
(Krisen.) Hierüber schreibt mir ein treuer Wollener : | 
Wie ic) Ihnen schon einmal schreiben wollte, habe auch"ich im' Ver- 
lauf der 3 Jahre, seit ich in Wolle bin, von Krisen zu ' reden ,/'"wie' ich 
es betrachte. J< trieb die Sache nicht auf einmal, sondern wurde all- 
mählich ein Gläubiger, der erst Unterkleidung anlegte und nach einein 
Jahre etwa das schlechte Futter entfernte, bezw. e<hte wollene 'Oberklei- 
dung trüg. I< bemerke vorher, daß ich von , her zu Husten- und Lungen- 
"affektionen, sowie zu vielem Zahnweh durch Erkältung geneigt war; im 
besondern hatte ich aber aus gleicher Ursache vor 10 Jahren einen schlim- 
men Rheumati8mus im Kreuz (s. Herensehuk) und einen 2/ajährigen Darm- 
katarr) zu bestehen. Jn Wolle ereignete sich nach 1/- Jahre ein plöß- 
licher Lungenkatarrh, einige Zeit darauf heftige Zahnschmerzen (die leßten 
bis auf die Spur davon!), und als nach 2 Jahren (in Wolle) starke 'Ge- 
mütsaffekte durch den Tod m. Br. mit großer Berufsanstrengung (Weih- 
see) zusammen trafen, bekam ich ürplößlich ohne jeglichen Grund 
solch heftigen und andauernden Durchfall, wie ich nur vor 10 "Jahren je- 
Mal3 gehabt hatte. Und einige Zeit darauf passierte auch noch der sog. 
Hexen >uß in ziemlich heftiger Art zum Abschied meinen Körper. ;
	        

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