Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

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dagegen interessiert uns sehr die Frage : "Wie heilen die Wunden, wenn 
sie sich selbst überlassen bleiben? | 
Von Alters her unterscheidet man eine doppelte Art der Heilung. 
Die erste wird von den Medizinern als Heilung per primany (inten 
tionem) d2zeichnet "und kann dann eintreten, wenn bloß eine Trennung 
ves ""sammenhangs ' der "Gewebe, kein Substanzverlust oder keine 
größ"? Lake zwischen" den Wundrändern vorliegt. Der Typus einer 
folch?.: Wunde istein einfacher "Schnitt mit einem scharfen "Messer. 
4a dem Augenbli ver Verwundung! tritt, wie: bekannt, Blut aus den 
Gefäßen aus" und' erfüllt den kleinen "Zwischenraum zwischen "beiden 
Scnitträndern. "Wenn es "aber die Gefäße verlassen hat pflegt es 
nach kurzer Zeit zu / gerinnen'und 'dem' nachfolgenden Blute: den Weg 
zu versperren: die Blutung steht. Wenn nun alles gut geht, d. h. 
wirklich eine prima intentio eintritt, so verkleben mittels des Ge- 
rinnsels die beiden Wundränder. Der weitere Prozeß, dessen genauere 
Erörterung zu weit führen würde, besteht dann darin, daß das Blut- 
gerinnsel wieder aufgezehrt und durch, wirklihes Gewebe erset wird. 
Die zweite Art: der Heilung , wissenschaftlich als Heilung per 
„gecnndam (intentionem) bezeichnet, tritt dann ein, wenn in der Wunde 
ein Substanzverlust: besteht, wenn 3. <B. die Haut - in einem kleineren 
oder größeren Umfang verloren gegangen ist, oder wenn die Wund- 
ränder nicht dicht :an einander liegen. Von einem einfachen Zusam- 
menkleben, wie im vorigen Falle, kann hier nicht die Rede sein, jon- 
dern es wuchert aus. dem. Grund. der Wunde ein neues Gewebe auf, 
welches allmählich den vorhandenen Defekt ausfüllt und welches zuerst 
ganz weich ist, dann aber allmählich fester wird. Dieses. Gewebe ist 
es, welches später als „Narbe“ sichtbar bleibt. Natürlich braucht diese 
Art der Heilung bedeutend länger, und der Arzt strebt deShalb immer 
danach, die Wundränder einander möglichst zu nähern, sei es durch den 
Verband oder durch Naht. 1%; 
Wenn nun aber die Heilung immer so glatt erfolgen würde, so 
brauchten wir eigentlich keinen Arzt zur Wundbehandlung , aber leider 
machen wir nur zu oft die Erfahrung, daß, die Wunde nicht ohne 
weiteres heilt, sondern daß sie längere oder kürzere Zeit eitert; ja es 
können sich noch viel schlimmere Zustände entwickeln, die wir im all- 
gemeinen als „Blutvergiftung“ bezeichnen. Was geschieht hiebei? 
' Die neueren medizinischen Forschungen, die in ihrer Bedeutung 
hier durchaus nicht verkannt werden sollen ,. wenn sie auch die Praxis 
vielfach auf“ falsche Wessel Mischt "haben, haben" ermittelt, 'daß jede 
Art von Störung der | uppen auf der Anwesenheit der berüch- 
tigten mikroskopischen Pilze, der (stäbchenförmigen) Bakterien und der 
(runden) Coccen beruht. Das gilt für die geringfügigste Eiterung wie 
für die rasch „AWtiehe Biterifiuig: Es ergiebt sich daraus für die 
Wundbehändlung die "eminent praktische Frage: Wie können wir 
verhindern, daß Pilze in eine 'Wünde kommen,"bezieh- 
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