37
denselben in Erdhöhlen häufiger vor und zwar bis zum Monat Juli stets
in einzelnen Individuen. Gegen Mitte Juli machte mich einer meiner
Arbeiter darauf aufmerksam, daß der Boden stark nach Honig rieche und
daher ein Hummelnest in ver Nähe sein müsse. J< überzevgte mich nun
selbst, daß die Erde in der Umgebung der bloßgelegten Rebwurzeln einen
honigartigen Wohlgeruch verbreitete, wel<her mich unwillkürlich an den
Duft der Blüten von Agrimonia eupatoria oder Agrimonia odorata erinnerte.
Da sich aber weder ein Hummelnest, noch irgend eine Wurzel in
der Nähe vorfand, von welcher der Geruch hätte ausgehen können, so
blieb die Sache vorläufig unaufgeklärt. Beim weiteren Verlaufe der Erdarbeiten
stellte sich jedoch dieser eigenartige Geruch no< wiederho!lt ein,
bis e3 mir endlich glückte, unter den Wurzeln eines Nebsto>es in einer
Höhle zwei aufeinanderliegende Salamander zu entdeen, von welchen
dieser Geruch ausging, den ich auch später mehrmals beim Deffnen getöteter
trächtiger Weibchen wahrnahm, Die ganze OberfläHe des unten
liegenden Individuums war mit einer hellen, schleimigen Flüssigkeit überzogen,
und außerdem fanden sich später zu Hause bei mikroskopischer
Untersuchung in der Kloake eine Menge Spermatozoen, während die Kloake
des oben gelegenen Individuums davon frei war. Jh halte demnach
jene schleimige Flüssigkeit für den männlichen Samen. Augenscheinlich
waren die Tiere gerade in der Begattung begriffen, worin sie durch das
Aufde>en ihres Verste>s gestört wurden.
Krankheit ist Gestank. Diese Spißmarke, die may dem auf den Holzweg
geratenen Kulturmenschen nicht oft genug zurufen kann, paßt für folgende
Notiz, welche ich der „Täglichen Rundschau“ vom 16. Aug. 1885 entnehme:
„3 ärztlichen Kreisen wird gegenwärtig eine allgemein interessierende
Sache lebhaft besprochen, die gerade jeht zur Zeit der Nü>-kehr
aus den Bädern und Sommerfrischen von der allergrößten
Bedeutung ist. In diesem Jahre sowohl wie auch in den Vorjahren hat
man nämlich die Thatsache vielfach beobachtet, daß in den aus den Sommerfrischen
zurücgekehrten Familien der Typhus zum Ausbruch kam.
Die Schuld an der Krankheit ward dann gewöhnlich auf die lehten rauhen
oder feuchten und nebeligen Tage, die man an der See oder im Gebirge
zu bestehen hatte, geschoben; jeht nun ist man einer ganz anderen Ursache
auf die Spur gekommen und hat letzthin ein Krankheitsfall in der Kurfürstenstraße
die Entde>ung herbeigesjührt. Während der Abwesenheit der
Herrschaften werden nämlich die herrschaitlichen Aborte vielfach nicht benüßt
und es verdunstet in der Zeit das Wasser, welches zum Absperren
der Gase in dem Knie der Leitungsröhren stagniert, da frisches Wasser
nicht zugelassen wird. Dieses Wasser ist aber mit den giftigsten Dünsten
sehr reichlich geschwängert, andererseits steigen aus den Röhren fortgeseßt
neue Gase empor. Diese unheilvollen Lüfte, die sich durchaus nicht immer
durch einen penetranten Geruch zu verraten brauchen, erfüllen den Raum
des Kloset8 nicht nur, sondern nac< und nach auch die Korridore und
Zimmer 2c. und seßen sich (dies ist das Schlimmste) in den Tapeten,
Vorhängen 2c. fest *), so daß eine gewöhnliche Reinigung, die bei der
: *) Warum lacht man dann über meine Forderung, Tapeten, Vorhänge und
überhaupt das Mobiliar aus solchen Stoffen zu machen, int welche sich diese „tükischen
Gase“ nicht festsezen ? Daß es solche giebt, habe ih nachgewiesen. G. I,