Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

(ÖD 
Doch zurü& zu Henfels Urzeugung. Derselbe lehrt also 
s<hlanf weg, aus dem Wurzelsaft der Rebe entstehe die Reblaus, aus 
der Baumrinde der Borkenkäfer, aus dem Blattgrün die Blattläuse, 
aus Blütenhonig die Shmetterlingslarven. Hier sein Beweis, den 
ich dem Buch über Ho <hfärber resp. dem dort wieder abgedruckten 
Bericht des med. Dr. Berthelen entnehme (das Henselsche Buch 
selbst zu lesen, ist einem, der das Leben nicht im Laboratorium, jon- 
dern da studiert hat, wo es ist, unmöglich). Also S. 457 heißt es: 
„Hensel nimmt. für die Jusekteneisubstanz kein geringeres Niveau in An- 
spruch als für die Eisubstanz der sogenannten höheren oder vollkommeneren Tiere. 
Er geht daher vom gut studierten Vogeleigelb aus und verlangt nichts weiter, als 
das Insektenei nach dieser Analogie beurteilen zu dürfen.“ 
(Schon das ist ausnehmend <arakteristisc<h:- für Hensel ist 
der typische, generische, spezifis<e Unterschied zwischen einem Insekten- 
und einem Hühnerei völlig Wurst und bei diesem Standpunkt bloß 
rätselhaft, warum er nicht für möglich hält, daß die Pflanzen nicht 
nur Insekteneier sondern auch 3. B. die Stachelbeerbische statt Stachel- 
beeren Hühnereier erzeugen.) 
„Das Vogeleigelb stelle eine mit einer Membran versehene Kugel dar. 
In der Mitte des Inhalts unterscheide man mikroskopisch eine lichtbrechende Fett- 
kugel (Nucleus) von zahllosen anderen winzigen Fettkügelchen umgeben ; alle mit 
einander in einer wässrigen Flüssigkeit shwimmend. Chemisch untersucht erweise 
sich die Membran schwefelhaltig, die wässrige Flüssigkeit dagegen als eine Salz- 
lösung von phosphorsauren Alkalien und Erden samt Ammoniak und Kieselerde; 
die ölige Substanz sei Nervenstearintalg (Lecithin).“ 
„Durch Oxydation und Wasserverdunstung, unter Mitwirkung von Wärme 
gehe aus dem Lecithinmaterial, welches polare Stre>kung erfahre;- das mit Mem- 
branen -ausgerüstete, Nervensystem des jungen. Vogels hervor. Etwas Weiteres 
glaubt Hensel nicht zu bedürfen, um die Möglichkeit der Urzeugung von Insekten 
aus Pflanzensubstanz plausibel zu machen. Denn, sagt er, der Nervenstearintalg 
besteht aus entwässertem stearinsaurem Glycerin und phosphorsaurem Ammoniäk. 
(Folgt eine Formel.) Solches Lecithin komme zu stande, wenn gewöhnlicher Oel- 
stoff an phosphorsaurem. Kalk hängen bleibe und dann mit fohlensauxem. Ammoniak 
eine Umsekung zu kohlensaurem Kalk und Lecithin stattfinde,“ 
„In der That ist die Affinität zwischen Kalk und DOelstoff eine auffällige: 
Gewöhnliche Seife giebt bekanntlich mit kalkhaltigem Wasser" ein Gerinsel von Kalk: 
seife, und wenn man! warme "Milch mit phosphorsaurem Kalk zusammenschüttet, 
so gerinnt die Milch“ fast augenblilich und aller Butterstoff hat“ sich. alsdann an 
den -phosphorsauren Kalk festgehängt," | | m 
„Da nun phosphorsaurer Kalk in allen Wurzeln, Rinden , Blättern sünd 
Früchten angetroffen wird, wie deren Asche erweist; da es ferner in den Pflanzen 
auch an Oel nicht mangele, und da Blattgrün, Asparagin und andere Pflanzen- 
eiweißarten in Gestalt von Leimzu>er intramolekular „kshlensaures Ammoniak ent- 
halten, so haben wir damit nach Hensel das Material zur Erzeugung von Ner- 
ventalg beisammen und dürfen uns nicht wundern, wenn in der Sommerhitze allerlei 
Geziefer aus dem Pflanzenmaterial hervorgehe.“ 
... Dieses Hen Felsch'e Uizeugungsrezept steht "natürlich nicht höher 
als folgendes Rezept, wie" man Säuerkraut macht:
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.