Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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früher gethan habe, selbstverständlich in der Voraussehung, daß Gegen: 
seitigkeit geübt und auch von Seite der Kneippianer das, was uns trennt, 
kalt gestellt wird und beiderseits gute Behandlung in Aussicht genommen 
wird. Das, was die verschiedenen „keterischen“ Richtungen auf diesem 
Gebiet trennt, ist ja unter allen Umständen geringer als das, was uns 
alle von der Schulmedizin trennt, und „Parität“ können wir nur erzwingen, 
wenn wir =- zwar getrennt marschierend =- vereint schlagen. Uebrigens 
auch nach Innen wird es vorteilhafter sein, wenn wir suchen, von einander 
zu lernen -- ich habe von Kneipp manche3 gelernt und ich denke, man 
kann bei mir auch manches lernen -- anstatt daß wir uns bekämpfen. 
Also begraben wir beiderseits die Streitaxt und arbeiten wir gemeinjam 
an der „Salus publica“. 
Stuttgart, 24. März 1892. Sprof. Dr GL Jäger. 
Kleinere Mitteilungen, 
Wollkleidung in Hiße und Kälte. 1. Auszug aus dem Brief einer 
englischen Dame, welche im Sommer 1891 die Reise von Australien nach 
England über das Rote Meer machte: 
„I< hatte auf der Heimreise einigemal sehr schlimmes Wetter, schon 
in der Nähe der australischen Küste, und wieder im Indischen Ozean. Dann 
hatten wir im Roten Meer eine sc<hre>liche Hiße, zwei Zwischende>s- 
Reisende starben infolge von Hibschlag. Dankerfüllt muß ich sagen, ich 
bestand die Hiße glänzend, dank völliger Enthaltung (von geistigen Ge- 
tränken) und dank der Jägerkleidung, und während die anderen alle um- 
seewanderten, um sich ein kühles Plätzchen auszusuchen, schlief ich jede 
Nacht sanft unter meiner Jägerdee.“ 
2. Brief der heldenmütigen Miß Kate Marsden, welche gegen- 
wärtig mit besonderer Vollmacht der Kaiserin von Rußland die Lage der 
Aussätigen in Sibirien erforscht. Die Aeußerung dieser Dame enthält 
ein gewichtiges Zeugnis für den hohen Wert des Jägersystems, wenn man 
bedenkt, daß die Schreiberin gesund blieb, obwohl sie Ich der grimmigsten 
Kälte ausseßen mußte, und troß dem häufigen Wechsel zwischen der Back- 
ofenhize im Jnnern einer russis<en Bauernhütte und der Luft im Freien 
mit so und so viel Grad unter Null. Der Brief lautet: 
„Omsk, Sibirien, 19. März 1891. 
„Geehrter Herr! 
„I< erlaube mir, Ihnen wiederholt zu danken , daß Sie mich seiner 
Zeit veranlaßt haben, die „Jägerkleidung“ zu tragen. Dank derselben 
bin ich auf dieser langen Reise von im ganzen über tausend Meilen 
während dieses bitteren Ähirischen Winters gesund geblieben. J<h bin nun 
im Begriff, nach Jrkut5k, Jakutsk und Nishne-Kolymsk weiter zu reisen, 
wozu ich ungefähr ein Jahr brauchen werde, und ich werde Jhnen gerne 
über die Erfolge berichten, welche mix das Tragen der vollständigen Jäger- 
fleidung Miet. I< verbleibe 
mit aller Achtung 
Kate Marsden.“ 
.„KMleider aus Holz ist das Neueste, was die Zukunft bringen wird, 
nachdem sich Professor Mitscherlich in Freiburg ein Verfahren hat 
zieren lassen, durch das man die Holzfasern verspinnen und webefähige
	        

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