Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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Fäden daraus herstellen kann. Zu diesem Zwe>e wird das Holz in dünne 
Brettchen geschnitten und diese Brettchen läßt man wiederholt zwischen ge- 
riffelten Walzen durchgehen, durch welche Bearbeitung die Holzitüächen ge: 
bogen und vielfach geknickt werden. Dadurch werden die einzelnen Holz- 
fasern in ihrem Zusammenhang gelockert, und es entsteht zuerst eine Masse, 
welche der Länge nach leicht teilbar, aber sehr schwer zerreißbar ist. Diese 
Masse wird immer weiter in gleicher Weise 2 bis sie sich in einen 
vollständigen faserigen Stoff verwandelt hat. Der faserige Stoff wird 
getro>net und dann weiter so lange zwischen den geriffelten Walzen be- 
handelt, bis er vollständig in feine Fasern zerlegt ist. Die Fasern sind 
sehr zart und weich und dabei doch sehr fest; man kann sie in gleicher 
Weise wie rohe Baumwolle weiter verarbeiten und dann verspinnen. 
So berichtet das „Volk“ (13. März 1892). Es ist nicht unmöglich, 
daß solches Gewebe aus Holzfaser der Baumwolle, namentlich aber der 
Leinwand einigermaßen Konkurrenz machen wird. Allein vom hygienischen 
Standpunkt aus betrachtet befindet sich Herr Professor Mitscherlich mit 
diesem seinem Vorhaben auf dem Holzweg. 
Selbstgift. Von einem Wollenen erhalte ich folgende Zuschrift : 
„Jüngjt ward ich beim Lesen an eine Notiz des Monatsblattes er- 
innert, in welcher die Ansicht ausgesprohen worden war, daß die Ausdün- 
stung vieler Menschen außerordentlich schädlich sei und ein Tropfen hievon 
genügen würde, ein Kaninchen zu töten. *) 
„In C. IJ. Webers „Demokritos“ Stuttgart 1859 Band 12, 
Seite 308, steht: 
„Der Mensch ist ein so unsauberes Tier, daß schon selbst: die von 
ihm ausgeatmete Luft so verdorben ist, daß sie, aus einem stark beseßten 
Zimmer durch eine Röhre abgeleitet zum stärksten Gift gemacht werden 
kann 
„Dachvem Sie , geehrter Herr Professor, seiner Zeit im Monats- 
blat*s anfragten, ob einem der Leser die Quelle, aus welcher die gebrachte 
Notiz stammt, bekannt wäre, so glaubte ich, daß die angeführten Zeilen 
Ihnen Jnter * hieten würden.“ 
Giech9>.. * *-x Kranfheiten. Jm Februar '9.* ZJ. verstarb in 
Berlin %"y allen 7: '"“hesigern 118 weit in Lie Umgegend der Hauptstadt 
vekannt- <ierarzt Ludwig Lu>ow. Schon in seinen jungen Jahren 
dehnte 1 1 seine Praxis auf Meilen im Umkreise Berlins aus, und in 
früherer .t hielten oft ein halb Dutßend und mehr Wagen von außer- 
halb gleichzeitig vor seiner Thüre, um ihn abzuholen. „Von diesem 
Manne ging unter den Interessenten nämlich die Meinung 
um, er rieche es den Tieren an, was ihnen fehle.“ Es Uikleider 
zu bedauern, daß die „Tierbörse“, welche jeht einen Nachruf des Verstor- 
enen veröffentlicht, diese Thatsache nicht anders als ebenso „originell“ 
*) Die fragliche Angabe findet sich Monatsblatt .4888 S. 157. Soviel 
ich weiß, ist Dr. Oy dtmann einer der ersten gewesen, der die Giftigkeit der Aus- 
atmungsluft durch den Versuch am Kaninchen nachwies. Die oben mitgeteilte Stelle 
aus Webers Demokritos bleibt troßdem merkwürdig genug, zumal da sie älter ist 
als Oydtmanys Versuch. Sie zeigt eben wieder (wie alle die früheren Mit- 
teilungen des Monatsblattes unter der Spizmarke „Dichter und Duft“), daß 
dichterisher Sinn oftmals Dinge ahnt, für die der Verstand der «Gelehrten zu 
stumpf ist. Jäger"
	        

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