Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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zog die Revisionsklage beim Reichsgericht, die ihm ohne Zweifel doch nur 
weitere beträchtliche und unnötige Kosten verursacht hätte, zurück, so daß es 
bei diesem Urteil zweiter Jnstanz sein Bewenden hat. 
Kleinere Mitteilungen. 
Auch ein Zeugnis für die Wollkleivung. Der „Aerztliche Ratgeber“ 
der „Kneippblätter“ (2. Juni 1892) schreibt in bemertkenswerter Objektivität 
und Unparteilichkeit folgendes; 
„Sportkleidung (Max 21, Aachen): Als Sachverständige werden 
häufig solche Leute herangezogen, welche von der Sache nichts verstehen, 
z. B. zu der Beurteilung der Leistungen eines Magnetiseurs oder eines 
Homöopathen allopathische Aerzte. Vermeiden wir diesen-Fehler und fragen 
zunächst die Radfahrer selbst. Das „Handbuch des Bicycle-Sports“ von 
V. Silberer und G. Ernst, Wien und Leipzig 1885, äußert sich S. 255 
folgendermaßen: „Die Unterkleider seien vor allem absolut aus Wolle, und 
zwar nicht aus Halbwolle, sondern aus bester veiner Schafwolle. Alle an- 
deren Stoffe, Seide sowohl wie Leinwand, haben die Eigenschaft, wenn sie 
naß werden, auf der Haut ein Gefühl der Kälte zu erzeugen, Wolle oder 
Flanell hingegen bringen nie, selbst wenn sie tropfnaß sind, das Gefühl 
der Kälte auf der Haut hervor, was von um so größerer Wichtigkeit ist, 
da man ja doch nicht in einemfort fährt, sondern oft absteigt und ausseßt; 
Flanell ist dann das einzige Mittel, um den erhißten und in Schweiß ge- 
vadeten Körper vor einer Erkältung zu bewahren . . .“ Und ein Dr. BV. 
schreibt einmal an G. Jäger: „Von den vielen Hunderten von Fah- 
rern, die ich in Wien gesehen, trägt auch nicht einer während der Fahrt 
Leinwand oder =- beabsichtigtermaßen wenigstens =- Pflanzenfaser über- 
hau“ „Van ist darin einig, daß nux Wolle den gesteigerten Anforderun- 
zen d '* Lörpers entspricht.“ Vergl. über das Gesagte G. Jägers „Monats- 
hlat* . Jahrgang 1887 und 1888. Aus der Zeit, da ich jelbit diesen Sport 
gehuld'>t, kann ich obiges nur bestätigen, und wiewohl ich seit einem Jahr 
Leinwand auf dem bloßen Körper trage, ginge ich, würde ich wieder Rad 
fahren, für diesen Fall auch wieder zum Wollhemd zurü>. Aber auch jett, 
wo ich mich einer körperlich anstrengenden Arbeit leider nie zu unterziehen 
habe, dagegen häufig die offenen, zügigen Trambahnwägen benützen muß, 
bediene ich mich wie früher meines geschlossenen Tuchroes. Vergeht doch 
faum ein Tag, wo ich nicht von diesem und jenem zu hören bekomme: auf 
der Trambahn habe ich mich erkältet; mir ist dies bis jebt gottlob noch 
nicht passiert, wozu neben verschiedenem anderen gewiß auch dieser Umstand 
etwas beigetragen hat. -- Auch hat mir unlängst ein Bekannter, der mehrere 
Jahre in Neapel sich aufgehalten hat, erzählt, alle Fischer daselbst, die durch 
ihren harten Beruf oft stark in Schweiß nea, trügeu ausnahmslos wollene 
Unterkleider. Also =- taugt nach meiner langjährigen Erfahrung in Wolle 
diese nicht für alle und nicht für alle Verhältnisse, jo kann man, will man 
den Thatsachen nicht Gewalt anthun, von der Leinwand dies sicher ebenso- 
wenig behaupten.“ 
Zur Kennzeishung der Scholästik. Cin Artikel der“ Frankfurter 
Zeitung“ vom 15. April 1892 „Lehrerwelt und Zoologischer Garten“ 
enthält einige gegen die Scholastik gerichtete Bemerkungen. Diese Bemer-
	        

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