Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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fungen sind ein Beweis dafür, daß unser Tadel gegenüber der Schulwissen- 
schaft begründet ist und die gerügten Mängel auch von anderer Seite er- 
kannt werden. Der besagte Artikel lautet : 
„Die am Mittwoch an dieser Stelle veröffentlichte Notiz „Palmar- 
rum“ fährt fort, uns interessante Mitteilungen über das Erscheinen der 
gefiederten Frühling5boten aus unserem Leserkreise zu bringen. Man sieht 
hieraus, daß die Verfeinerung der Lebensgewohnheiten keineswegs, wie viel- 
fach geglaubt wird, gegen die Eindrü>e und Genüsse der Natur blind oder 
gleichgültig macht. Wo dies der Fall zu sein scheint, wird man nur allzu: 
häufig die Ursache in einer gewaltsamen Beeinflussung der Geister von 
außen oder oben finden können. Einen drastischen Beleg für diese That- 
jache liefert soeben eine Zuschrift des Herrn Dr. Wilhelm Haa >e, wissen- 
schaftlichen Leiters des Frankfurter Zoologischen Gartens an die „Kleine 
Press2“. Der angesehene Gelehrte wiederholt darin die von ihm jüngst in 
der Gesellschaft der Vogelfreunde gemachte Bemerkung, daß trotz der an 
Frankfurter Lehrer verabfolgten Cintrittskarten zum Zoologischen Garten 
doch dessen einzig dastehende Sammlung lebender deutscher Vögel von 
keinem Frankfurter Lehrer mit dauerndem Interesse studiert werde. Herr 
Dr. Haade fügt jedoch hinzu, nicht die Lehrer selbst seien für den bei 
ihnen herrschenden Mangel an Sinn für das Studium der heimischen Vogel- 
welt zu tadeln, sondern „diejenigen, deren Amtes es sein sollte, die Lehrer 
auf die unerläßliche Notwendigkeit dieses Studiums nachdrülichst hinzu- 
weisen. Den schärfsten Tadel verdient vor allen anderen die offizielle 
deutsche Zoologie, in deren Augen sich sicher derjenige für einen aka- 
demischen Lehrstuhl der Zoologie disqualifizieren würde, der die Unvor- 
sichtigkeit begehen wollte, ein Interesse für unsere herrliche deutsche Vogel- 
welt zu zeigen. Gegen diesen beschränkten Standpunkt der Katheder-Zoologie 
anzukämpfen, ist die Aufgabe aller, welche noc< ein Herz und ein Auge 
für nicht mikroskopische, lebende, unzerstüc>elte Tiere, für solche un- 
jerer Heimat insbesondere, haben.““ 
Bölkergeruch. Ein aus dem „Globus“ (Band LXI S. 191) stam: 
mend“* Artikel machte in letter Zeit die Runde durc< die Zeitungen in 
folgen.. *' Form: 
2 „. zexs Seelentheorie hat seiner Zeit genug Staub aufge- 
wirbe, „Daß derselben eim Körnen Wahrheit zu Grunde liege, ist all- 
gemei'“ anerkanrt; aber daß die Verschiedenheit und Stärke der 
men hen "u5Sdünstung auch man<mal eine schr wichtige 
polt:.. he Roltyipielen ana davon liefert eine Zuschrift aus China, 
die in ver neuesten Nummer des „Globus“ veröffentlicht wird, ein interes: 
santes Beispiel. Die Chinesen behaupten nämlich, von den „fremden Teu: 
feln“, den Europäern, ginge ein für ihre Nasen unausstehlicher Geruch aus. 
Ein <inesischer Gelehrter erzählte dem Briefschreiber, dieser Geruch sei für 
Ii s9 unangenehm und wirke so stark, daß er es sofort röche, wenn ein 
eißer in einem Zimmer gewesen wäre. Ja, noch mehr, der Geruch setze 
sich sogar in seine Kleider fest, und käme er zu seinen <inesischen Freun- 
den, 0 sagten diese zu ihm: „Aha, du bist wieder bei den Fremden ge- 
wesen; man riecht es meilenweit!“ =- Umgekehrt riecht aber auch der Weiße, 
ob vor ihm Chinesen in einem Zimmer gewesen; Adolf Erman, der in 
Kiachta den <inesischen Landes- oder Nationalgeruch beobachtet hat, führt 
verschiedene frappante Beispiele dafür an. Ob dieser verschiedenartige Ge-
	        

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