Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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Wie nun können wir uns in eine Disposition seen, welche uns 
zu einem schlechten Nährboden für den Cholerabazillus macht? 
4. Dur< rationelle Ernährung. Die Ernährungsvorschriften, 
welche von den Behörden gegeben werden, sind alle von dem Gedanken 
eingegeben, nichts zu genießen, woran möglicherweise ein Cholerabazillus 
haftet, beziehungsweise diesen durch Kochen unschädlich zu machen; und 
deswegen zweifellos vernünftig. Aber sie vernachlässigen die andere 
Seite und stiften dadurch wieder teilweijf? Schaden. So habe ich ge- 
funden, daß manche Familien, die behördlichen Rats<hläge übertreibend, 
alles Gemüse vom Tische verbannten und nur no<h von Fleisch und ge- 
röstetem Weißbrot lebten. Daß durch eine solche radikale Aenderung der 
Ernährung Lordauungsstörungen entstehen können oder eigentlich müssen, 
liegt auf d:x Hand. Auch die Furcht vor Ohst -- selbst gekochtem - 
gehört hiehor, Ds ffentlihen Bekanntmachungen tragen daran zum 
Teil mit shuld. Vollständig widersinnig 2, *, .t d** Warnung des 
Berliner Yolivoipräsidiums vor Kob! (al'9 doch woll jeder Art von 
Kohl). Es oicht ja eine gewisse Tnzahl von Leuten, welchen Kohl 
Verdauungsstörungen macht; daß diese ihn meiden müssen, versteht sich 
von selbst; aber ebensogut müßte der Kaffee oder gekochte Milch ver- 
boten werden, weil mindestens ebenso viele Personen diese beiden Ge- 
tränke nicht vertragen. Cbensowenig vermag ich einzusehen, wieso der Käse 
zu verbieten ist. Wem er nicht bekommt, der foll ihn lassen, wem er 
jc<med>t und erfahrungsgemäß zuträglich ist, der mag ihn auch in Cholera- 
zeiten ruh? 2nioven = vorausgeseßt natürlich immer, daß er sicher 
ist, keine “ "olerovoillen mitzuessen. 
Vebotmw“ es widersinnig, gewisse Speisen als schlechthin erlaubt, 
andere als s*yle“: yum verboten zu bezeichnen. Dagegen wird niemand 
irre gebn, d'r seinem Instinkt bezüglich der Nahrungswahl folgt, und 
ich möchte den Lesern dieses Blattes no< einmal die Jägersc<en 
Speiseregeln ins Gedächtnis rufen : 
a. Ert riechen, dann essen. 
b, 23 nichts, was dir schlecht riecht (ganz besonders zu beachten 
in einer. Zeit, wo wegen der Bazillenfurcht so viele Konserven ge- 
nossen werden), 
e. 2wing niemand zum Cssen. 
d. Hör auf, wenn es dir am besten schmeckt. 
Diese vier Regeln, in Verbindung mit dem Grundsatz, nichts zu 
genieß -, was aus <oleraverdächtiger Quelle stammt, oder wenigstens 
die An to>ungsföhigkeit durch Kochen zu vernichten, dürften nüßlicher 
sein als lange Crörterungen darüber, was in Cholerazeiten erlaubt 
bezw. verboten itt. 
2. Durc< Sorge für reine Luft. Diesen so wichtigen hygieni- 
schen Faktor hat das pr. Kultministerium vollkommen ignoriert! Die 
mit der Ueberwachung der hygienischen Maßregeln betrauten Polizei- 
organe aber schlagen dieser Forderung direkt ins Gesicht ,- insofern
	        

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