Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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Doh näher ! 
Der Artikel „Noc< Eine Silbe Differenz“ (Mon.-Bl. 1891 Dez.) 
war längy)t geschrieben und geseßt, als mir das Nachstehende in die Hände 
fiel, was dem Anthropin und zwar von einer anderen Seite her, noh 
näher kommt, ja so nahe, daß fast kein Unterschied mehr ist als die Be- 
zugöart und die Verwendung. Dann noch eine Bermerkung. 
Die Leier wissen, daß an meine Lehre von dem Selbstgift zuerst 
dieFranzosen herangekommen sind (3. B. Bou hard, les Autointoxications). 
Es jcheint, da3 auc) bezüglich der Lehre von der Selbstarznei die 
Franzosen eine bessere Nase haben als meine Landsleute. 
Der Bericht stammt aus der „Wiener mevizinischen Presse“ Nr6758 
Jahrgang 1891 und das ijt für mich wieder eine kleine Genugthunung. 
Die öjterreichische Negierung hat das Anthropinverbot auf 
ihrem Kerbh9o!l) und wenn jeht von Frankreich aus das Anthropin ge- 
rechtfertigt wird, jo hat man sich eine gründliche Bes<ämung geholt, dar- 
auf möchte ich jeht shon die „Wiener medizinische Presse“ vorbereitet 
haben, damit die alte Tante nicht in Ohnmacht fällt, wenn's kommt. 
„Dr. Ernest Manganr bespriht in Vr. 18 des „Bul]]. gen. de 
thero“ “ die Anwendung der menschlichen Lymphe in der 
Therapie. Als menschliche Lymphe bezeichnet er das in einer Vesicatoren- 
blase angesammelte Serum, welches nach ihm eine ausgedehnte therapeutische 
Amwendung finden kann. Da dieses Serum an der Luft sich schr rasch 
verändert, so muß dasselbe bei einer Temperatur von unterhalb 709 C. 
einige Male sterilisiert werden. Es wird am besten in dunklen, hermetisch 
verschlossenen Fläsh<en aufbewahrt, in welchen es lange Zeit unverändert 
bleibt. Um spontane Gerinnung zu verhüten, kann man eine konzentrierte 
Lösung von Kochsalz der Lymphe zuseen, wodurch diese keinerlei Verände- 
rung erleidet. Bei <ronischen lokalen Erkrankungen hat M. von Injek- 
tionen dieser menschlichen Lymphe ganz überraschende Wirkungen gesehen. 
Ein sehr großes varicöses Unterschenkelges<hwür, welches mehrere Jahre hin- 
durch den verschiedensten Behandlungsmethoden getroßt hatte, wurde nach 
vier Injektionen von je 1 Gramm in weniger als einem Monat vollständig zur 
Heilung gebracht. Eine enorm geschwellte Lymphdrüse bei einem lymphatischen 
Mädchen verschwand nach einer einzigen Injektion. In einem anderen 
Falle wurde die Flüssigkeit direkt in das Drüsengewebe eingespritzt ; es ent- 
stand eine eitrige Entzündung, die mit einer Schmelzung der Drüse endigte. 
Im Allgemeinen empfiehlt M. bei den Injektionen die Richtung der Lymph- 
gefässe zu beobachten, um von den oberflächlichen gegen die tieferen Teile 
einzuspriken. In einem Falle von beginnender Lun entuberkulose trat nach) 
3 Injektionen eine solche Besserung ein, daß die Kranke wohl als geheilt 
anzusehen ist. Schließlich berichtet M. über den Fall eines diabetischen Ge- 
s<würs au einem Amputationsstumpfe, welches lange Zeit und troß sorg- 
fältigster Behandlung mit Jodoform, Salol u. s. w. nicht heilen wollte. 
Nach neun Injektionen von je 4 Gramm. umiden Stumpf herum trat voll- 
ständige Vernarbung ein.“ 
- Wer nicht einsicht, daßies sichshier“ wmmwichtsNänderes als Anthro- 
pinwirkung handelt, der lasse sich sein Schulgeld herauszählein: 
JäFer;
	        

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