Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

1.2 
Auch das ftimmt! 
Am. 135. Dez. 1890, also zu einer Zeit, in welcher Prof. Koh sich 
no< nicht einmal über die Natur seines Heilmittels geäußert hatte, schloß 
ich meine Flugschrift „Gleich und Aehnlich“, mit nachstehenden Worten: 
„Und Koh?“ 
Die Sache wird man zu vertuschen suchen. 
„Unmöglich ?“ 
Der Anfang dazu ist ja bereits gema<ht. Nicht bloß dadur<, daß 
Pro]. Ko< kein Geständnis ablegt, sondern : Während vorher alles von 
Lymphe, von Anwenden des gleichen Verfahren3 auf Krebs und die Kon- 
tagionen überhaupt sprach, eigentlich alles darüber einig war, daß das Koch'sche 
Mittel durch Züchtung von Bacillen gewonnen wird und" alles darauf 
drang, daß der Scleier über die Besonderheiten der Bereitung gelüftet 
werde, änderte sich das Bild mit einem Schlage, als die Homöopathen sich 
wie Ein Mann erhoben und riefen: „Jsopathie! Wasser auf unsere 
Mühle!“ da war alle Neugier vorbei , man billigte plötzlich die vorher 
so beklagte. Geheimhaltung, sprac< nicht mehr von Ausdehnung de3 Ver- 
fahrens auf ähnliche Krankheiten, und während die jeht allerwärts zugäng- 
liche Lymphe durch ihren überlauten Geruch na) Nährgelatine lediglich 
keinen Zweifel über ihre Entstehung mehr übrig läßt, stellt man sich auf der 
ganzen Linie der Scolastik plöklich -- blißdumm! sagt „man wisse gar 
nichts!“ und endlich erscheint der Netter aus der Verlegenheit und sagt 
statt Lymphe =< „Kochin!“, damit ist die Sache abgemacht: „kein großes 
Naturgeseß“ mehr, sondern ein Ding, wie Antifebrin, Antipyrin, Cocain, 
Morphin und die hunderte von -inen, die man, nachdem der Unfug entlarvt 
ist, in die Rumpelkammer der Vergessenheit wirft. So murxt man ein 
unbequemes Naturgesetz ab! 
„Das wäre unerhört!“ 
Gar nicht. Mit was für Mitteln hat sich die Scholastik des Mittel- 
alters gegen ihre Gegner gewehrt? mit Feuer, Schwert und Bannfluch; 
Paracelsus erlag allem nach einem Meuchelmord, und wenn Sie sagen, 
diese Zeiten sind dom jetzt niht mehr, dann lade ich Sie ein, das 
Werk „Ameke, Die Entstehung und Bekämpfung der Homöopathie, Berlin 
1884“ zu lesen, damit Sie sehen, daß auch in unserem sogenannten 
„humanen“ Jahrhundert nicht blos alles gemacht wird, was überhaupt ge- 
macht werden kann , sondern ein gut Stü mehr , als jemand für möglich 
hält. Vergessen Sie eins nicht: die Geschichte der Medizin ist ein fortge- 
sezter nagleicher Ringkampf. Der eine Kämpfer ist die Wahrheit und 
die hat zwei Gegner, die Habsucht und die Herrschsu<ht. Wundert 
es Sie da, daß die erste jedesmal den fürzern zieht ? Mich nicht. 
Stuttgart, den 13. Dezember 1890. 
Gustav Jäger: 
..... Heute schreiben wir den 11. Deze 1891, also, ist noh nicht ganz Ein 
Jahr "vergangen, seit ich vorhergesagt : 
„Die Sache wird man zu vertuschen suchen!“ 
- „Gestern erhieit ich nun nachstehenden Zeitungöausschnitt aus dem. 
„Stuttgarter Neuen Tageblatt“: 
„Als Beweis dafür, wie tief die Ansichten und Erfolge der Aerzte
	        

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