Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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sie prüfte und als unstichhaltig erkannte, denn das hätte man an die 
größte Glocke gehängt. 
Zweitens läßt sich eine Widerlegung recht gut mittels einer 
Kritik der Heilmethoden, die in obigem Artikel angegeben werden, be- 
werkstelligen *). Eigentlich bricht der Artikel selbst shon den Stab über 
sie, und wenn es mir nur um Schädigung des Gegners zu thun wäre, 
jo hätte ich weiter nichts zu machen, als diese Selbstverurteilung 
niedriger zu hängen. Vom einfach menschlihen Standpunkt aus wäre 
das auch weit weniger unmoralisch , als das Verfahren, welches eben 
dieser Gegner uns Ketzern gegenüber einschlägt; denn indem er unsere 
besseren Erfolge einfach leugnet, erklärt er uns nicht bloß für ebenso 
unf“ia, wie er selbst ist, sondern hängt uns no< den Mantel der 
absjitlichen Fälschung an, und das ist nicht schön. 
Zwe des Folgenden ist für mich aber: durc< die Kritik der 
fal!" " Maßnahmen dem Besseren Plat zu schaffen und zu zeigen, 
wo  Grundfehler liegt. Um das gleich herauszusagen, er liegt ganz 
zom dem, was ich in meiner Sylvesterbetrachtung „Am falschen 
Fit Nonatsblatt 4892, Nr. 1) zeichnete: in der falschen Auffassung 
des 1. ».nden Organismus als eines bloßen „Mechanismus“, infolge 
der „olüclichen“ Beseitigung der Lebenskraft aus dem Sachregister 
der „ZS chulphysiologie und damit aus dem der sog. „Physiologischen 
edi'in ; 
2" feiner der oben angeführten Heilweisen läßt sich das leichter 
zeigen, als an der Ginsprikung von Kochsalzlösung unter die 
Haut ir Cholerakranken. Hier tritt uns sofort das Bild einer Dampfs- 
maschine, einer Lokomotive entgegen, in deren Kessel das Wasser auf 
die 2.2152 geht == „Nur s<nell Wasser nac<hgepumpt!“ Selbst einer 
Lokome' "2 gegenüber wäre das, wenn sonst nichts geschieht, ein Unsinn. 
Zeim Colerakranfen liegt ja offenbar der Schaden daran, daß das 
Wasser plößlich, unnüß und auf falschem Wege davongelaufen ist. 
Wern nun das bei einer Lokomotive passiert und der Maschinist nichts 
weiter thäte, als Wasser nachzupumpen, ohne zu untersuchen, ob nicht 
der Kesjel ein Loch bekommen oder ein Bösewicht oder gar der Lokomotiv- 
führer wel er verrückt oder betrunken geworden, den Wasjerhahnen 
aufgedreht hat =- was würde man dem Manne sagen? Und was würde 
das d2r Lokoniotive helfen? Genau wie bei den Cholerakranken: „der 
Erfolg wäre leider nicht nachhaltig“. 
- Ein Mensch oder überhaupt ein Organismus unterscheidet sich 
von einem Mechanismus ungefähr so, wie sich eine Lokomotive mit 
Führer unterscheidet von einer Lokomotive ohne Führer. Nun frage 
ich: ijt es möglich, daß jemand das Thun und Lassen einer geführten 
Lokomotive verstehen oder in dasselbe eingreifen kann, wenn er den 
-<a*) Unter diesen ist auch der" Kam'pher Fenämit, dem "muß ich äber aine 
eigene Besprechung widmen, siche nächste Nummer. Jäger.
	        

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