Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

=. 3) 
hinsichtlich des neuen Heilmittels noch immer geteilt sind, fügen wir hier 
bei, daß soeben Stabsarzt Professor Pfuhl, bekanntlich der Scwiegersohn 
und Gehilfe Koch 3, in der Zeitschrift für Hygieine und Infektionskrankheiten 
die Erfahrungen veröffentlicht, welche er seit Mitte April d. IJ. bei Versuchen 
mit dem Tuberkulin an 55 Meerschweinchen gesammelt hat. Diese Bersuche 
ergaben zwar eine „heilende Wirkung“ des Tuberkulins auf Leber und 
Milz, dagegen eine „vollständige Unwirksamkeit“ der Behand- 
(ung auf die tüberkulösen Prozesse in den Lungen. Pfuhl hat 
kein einziges seiner Versuchstiere definitiv gerettet. Die von Koch seiner 
Zeit angegebene Möglichkeit, die Tiere immun (seuhenfest) zu machen, wird 
in einer Änmerbung von Pfuhl kurzer Hand mit folgenden Worten abge- 
than: „Eine Immunisierung durch Tuberkulin findet nicht statt.“ Gleiche 
Ergebnisse wie das Nohtuberkulin lieferte das an 10 tuberkulösen Tieren 
erprobte gereinigte Tuberkulin. "Das Nesullat dieser Versuche, welche 
mit verschiedener Dosierung, also auch mit den von Ko<h als besonders 
günstig bezeichneten großen Dosen angestellt wurden, ist also ein entmuti- 
gendes. Gänzlich zurüFgenommen wird die Immunisierung durc< Tuber- 
kulin und für die Mögiimkeit einer etwaigen Heilung der Lungentuberkulose 
beim Menschen den Erfahrungen beim Meerschwein<hen gegenüber darauf 
hingewiesen, daß nur bein! Menschen die lokale Neaktion in der nötigen 
Stärke in den Lungen auftritt, um die heilende Wirkung des Tuberkulins 
einzuleiten. =- Wir wollen, so bemerkt dazu die Berliner Klinische Woen- 
schrift, dieser Vermutung nicht entgegentreten, obschon sie im Gegensaß zu 
der gerade aus der Umgebung Koh 35 hervorgegangenen Vorschrift steht, 
die Dosen so gering zu bemessen, daß jede sichtliche Neaktion ausbleibt. 
Jedenfalls sind die Nesultate des Tierversuchs derartige, daß die bisherigen 
Angaben über die dur< Tuberkulin geheilten Fälle von Lungentüberkulose 
mit aller Vorsicht aufzunehmen sind und dem Verdacht Raum geben, daß 
sie eher troß als dur< Tuberkulin erfolgten. Wenn Ko diese so un- 
günstigen Ergebnisse aus seinem Institut und dur< einen seiner Hilfs- 
arbeiter jekt veröffentlichen läßt, so wird leider der Schein erwe>t, daß 
er nicht in der Lage ist, ihnen bessere Nesultate aus früherer Zeit, seien fie 
ain Tieren oder an Menschen gewonnen, entgegenzuseßen, was er sonst, durch 
sein eigenstes Interesse gezwungen, doch zweifellos gethan hätte. Denn es 
läßt sich nicht anders jagen, als daß die Pfuhlsche Mitteilung auf 17 
kleinen Seiten der praktischen Verwertung des Tuberkulins gegen Lungen- 
tuberkulose mit lakonischer Kürze den Boden entzieht. Würde irgend ein 
Arzt auf die jetzt erschienene und 6 Monate nach der ersten Mitteilung 
Ko<h3 angefangene Arbeit hin es wagen, Tuberkulineinsprißungen beim 
Menschen zu machen ?“ 
ps „So murrt man ein unbequemes Natürgeseß ab!“ Die 
Scholaytik aller Zeiten bleibt die gleiche. Von Ko wird viellei<t bald 
zu lesen sein: Laudabiliter 8e subjecit! 
G. Jäger. 
Hautjuken in der Wolle. 
Hierüber kann ich dem Leser zwei lehrreiche Mitteilungen vorlegen: 
Sah LASPfsihe Mitteilung von Herrn Dr. med. H. Göhrum, 
Stuttgart.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.