Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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zur Zeit, sondern in vielen Fällen voraussichtlich für immer leider sehr be- 
schränkt sind, daß namentlich eine eigentliche Heilung durch innere therapeutische 
Mittel nicht zu stande kommt, sondern immer durch den Organismus selbst. 
„Der Arzt ist nur der Diener der Natur , nicht ihr Mester.“ CEr kann 
die Natur im Kampfe gegen den Feind unterstüßen, dafür sorgen, daß nicht 
störend in den Verlauf der Naturselbstheilung eingegriffen wird. Um so 
weniger aber eine direkte Heilung bereits vorhandener Erkrankungen durch 
therapeutis“,e Mittel mögli scheint, um so wichtiger erscheint die hygienische 
Aufgabe des Arztes, durch vorbeugende Maßregeln die Entstehung von 
Krankheiten zu verhindern, dur< Erforschung der Krankheitöursachen auf 
Möglichkeiten hinzuführen, diese Ursachen von vornherein zu vernichten. In 
ven wenigen Fällen, wo innere Mittel als Spezifica gegen gewisse Krank- 
heiten mit Erfolg angewandt werden, dürste eine solche Vernichtung von 
Krankheitsursachen vorliegen. So vei Malaria, wo das Chinin die er- 
krankten Gewebe nicht zur Norm zurückführen kann, wohl aber die Plas- 
modien, * € wo""icheinlichen Erreger der Krankheit, unschädlich zu machen 
scheint, 1 da* "x “""ganiSmus nun ungestört an die Selbstheilung gehen 
kann. Wenn aver auch die Unmöglichkeit , die Lebensvorgänge willkürlich 
zu gestalten, dx Krankheitsheilung enge Grenzen ziehl, wenn auch die 
Krantkheitsvervütung durch hygienische Maßregeln nicht über gewisse Schranken 
hinaus kann, > steht der Heilkunst doch noch ein weites Feld offen in der 
Bekämpfung > » Krankheitserscheinungen, welche dem Kranken seine Leiden 
erleichtert, mn leistungsfähig erhält und. nicht selten sogar dem Organismus 
Zeit und Nuhe zur Selbstheilung verschafft. Redner überbli>te die lange 
Reihe ver neueren therapeutischen Hilfsmittel, um schließlich der Hoffnung 
auf weitere Fortschritte der Heilkunst innerhalb der ihr von der Natur ge- 
zogenen Grenzen Ausdru> zu geben.“ 
Das heißt zu deutsch :+Gie innere Medicin ist einfach impotent. Heilen 
können wir nicht, aber „es steht der O“"lkunst do< noch ein weites Feld 
offen i1 der Bekämpfung dor Krankheitserscheinungen, welche dem Kranken 
seine Leiden erleichtert“ 1. f. w., d“' , es bleiben uns noch all die schönen 
Fiebermittel, w1hHe den Verlauy bv r Krankheit um keinen Tag abkürzen, 
die Schlafmittel, nach denen vr Patient einen dieren Kopf hat als vor- 
her, und als Krone der Medicin -- die Morphiumsprite! 
Vor dreiviertel Jahren sprach Herr Nothnagel angesichts der Koch'- 
schen EntdeFung anders. Auch er hat in Wien eine s<hwungvolle Nede ge- 
halten von einem neuen Stadium, in welches die Heilkunst getreten sei -- 
und jetzt?! Damals aufs höchste gespannte Erwartungen, jet dumpfe 
Resignation, dort Träume von einem erreichbaren Jdeal, hier nicht bloß ein 
demütiges Ignoramus, sondern ein zerknirschtes Ignorabimus, dort der Nausch, 
jebt der Kater! Und diese Katerstimmung in. den Kreisen der „wissen: 
fhaftlichen“ Mediciner möge mit diesen Zeilen festgenagelt werden. - Dr. ( 
Kleine Mitteilungen: 
Dä Länolii'in der Häutkpflege "Seitdem! es Professor" Liebreich 
fetten ist, 'das Lanolinvaus" der menschlichen Haut darzustellen und so 
en Beweis zu liefern, daß' die schützende De>e des: menschlichen Oraanis-
	        

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