Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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Lahmann und Genossen beschränkten sich wie gejagt im Wesentlichen 
auf die Unterkleidung. 
Empfahlen diese einen einzigen Stoff, Baumwolle allein, Lein- 
wand allein, Seide allein, als das einzig Richtige, jo sahen andere 
das Heil in Stoffmis<hungen*): die Wolle wurde in Verbindung mit 
einem der obgenannten anderen Stoffe als der beste Bekleidungsstoff ge- 
priesen: Wolle mit Baumwolle**) durc< Herrn Dr. Jacobi, der 
in der Freude seines Herzens seine Ware „Heureka“ benannte, Wolle 
mit Leinwand***) durch Herrn Dr. O. Lindenmeyer („Linolan“), 
Wolle mit Seide**) durh Maier & Cie. („Sanitas“), wobei auch 
ein Dr., Herr Julius Lang in Berlin, zu Gevatter stehen mußte. 
“ Ein müßiger Kopf mag ausrec<hnen, wie viel Bekleidungsstoffe 
bezw. Stoffmishungen noch hygienis< empfohlen werden können. Die 
nächsten drei Möglichkeiten wären, wie wir für solche bemerken, die 
Lust haben, auf dem Gebiet der gesundheitlichen Bekleidung mit etwas 
Neuem die Welt zu beglücken: Baumwolle mit Leinwand, Baumwolle 
mit «Seide, Leinwand mit Seide. Indessen eilt es nicht, sich zu ent- 
schl: " denn es ergeben sich noh eine Reihe weiterer Möglichkeiten 
dur" ;zufammengabe von je drei Stoffen und fernerhin von allen 
vieren, des weiteren durc< Abänderung. in den Prozentsätßen der ver- 
schiedenen Mischungsteile, durc< weitere Aenderungen der Webart, end- 
li<h dur< Anwendung eines und des anderen neuen Stoffes. 
Doch Scerz beiseite. Cs wäre entschieden nicht richtig, wollte 
man das Auftauchen jo vieler Vorschläge für die Bekleidung. nur damit 
erklären, daß man sagt: nachdem die Leute am Wollregime gesehen 
hatten, daß man mit einer Gesundheitskleidung Geld verdienen kann, 
suchten müßige Fabrikanten und Aerzte die Sache nachzumachen. Dies 
hat ja wohl auch mitgespielt, allein es war nicht die einzige Ursache 
*) Gegen die Stoffmis<hungen erheben sich auf Grund der Erfahrung 
zwei Bedenken, die das alte mosaisc<e Gebot (5. Mo. 22, 10 f.: „Du sollst nicht 
a&ern zugleich mit einem Ochsen und Esel; du sollst nicht anziehen ein Kleid von 
Wolle und Leinen zugleich gemenget“) als weise und unumstößlich erscheinen lassen. 
Das eine Bedenken ist: zwei verschiedene Stoffe verlangen verschiedene Arten der 
Reinigung. Z. B. Wolle und Baumwolle. Reinigt man die Mischung so, wie 
die wollene Hälfte verlangt, so wird die baumwollene nicht rein. Reinigt man sie 
der baumwollenen Hälfte entsprechend, so leidet die bessere Hälfte, die wollene, 
Schaden. . Das andere Bedenken gegen die Stoffsmischungen aber ist folgendes? da 
die verschiedenen Fasern sich bezügli<h der Dehnbarkeit und Festigkeit unterscheiden, 
so sind die meisten gemischten Gewebe sehr wenig haltbar: gewöhnlich ist es die 
Wollfaser, die von der unpassenden Gefährtin geradezu durchschnitten oder aber aus 
dem Gewebe hinausgeschoben wird, so daß ein solches halbwollenes Gewebe immer 
ärmer an Wolle wird. Sie passen zusainmen wie O<s und Esel. 
%*) Wolle mit Baumwolle und Wolle mit Seide wird neuerdings in eigener 
Webart unter dem Namen „Hygiea" in den Handel gebracht. Soviel wir hören, ist 
Herr Sanitätsrat Dr. Bilfinger Erfinder oder Beschüßer dieser nagelneuen Neuheit. 
1  ***) „Woll-Leinen“ wird zur Zeit als „große Neuheit“ unter dem Namen 
ue Herti Dr. DiSqu6 auf den Markt gebracht. Neu ist daran übrigens nur 
ie Webart.
	        

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