Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

HS 
lich ist, in einem konkreten Falle gerade das Telephon als den Missethäter 
anzusehen. 
So wie hier, so geht es meistens: Nicht die Bakteriologen von Fach 
oder die Hygieniker überhaupt sind die Desinfektionswüteriche, sondern die 
Aerzte, welche von der neuen Wissenschaft bloß einen blassen Schimmer 
haben. Wir dürfen uns übrigens nicht wundern, wenn eines schönen Tages 
irgend eine findige Polizeibehörde bekannt macht: Verlobte und Verliebte 
haben jederzeit einen Topf mit Karbolsäure bei sich zu führen und vor 
und nach jedem Kusse den Mund zu desinfizieren. Dp5.K. 
Ueber die Wirkung des Allylalkohols. 
Wie sehr gerechtfertigt die Aufnahme des denaturierten Spiritus 
in die Warnungstafel des Monatsblattes ist, beweist eine Arbeit des 
Herrn Dr. Mießner, prakt. Arztes in Breslau, über den Allylalkohol, 
einen der wichtigsten' Bestandteile des Denaturierungsmittels. Jm Nach- 
folgenden ist ein Auszug derselben (Berliner klinische Wochenschrift Nr. 33 
1891) aben. 
Vi der Darstellung des Allylalkohols aus Glycerin und Oxalsäure 
in <emischen Fabriken ist eine einem Alfohol ganz ungewöhnliche Gefähr- 
licht“ *%Ibachtct "worden." Fie Einatmung desselben ruft starke Sekretion 
dev "aonlid-x und“ der Na*“, einen heftigen Druckschmerz des Kopfes, be- 
fond“ 7 dor "ngen" hervor, nicht einen flüchtigen Reiz wie das Senföl 
'** 'Seellence. sondern Erscheinungen, die zwar weniger schnell auftreten, 
aber desto länger dauern und ein schweres Kränkheitsgefühl verursachen. 
Ein zuverlässiger Beobachter nahm nach ver Beschäftigung mit Allylalkohol 
jedesmal außer den genannten Wirkungen eine tagelang anhaltende Weik- 
sichtigkeit an si% wahr. 
Der Vilylalkohol gehört zu den Fuselölen und ist als solches äuch 
in di" zur .nahmierung dos Spirit / verwandten Holzgeist enthalten. 
TP att hier seine Wirkung zur Geltung bringt, geht daraus hervor, 
dag'er nai gesezlichen Bestimmungen vom Jahre 1888 einen bestimmten 
Prozentgehalt im Denaturierungs"olzgeist nicht übersteigen darf. Dieser 
Holzgeist wird zu 5 Prozent dem Spiritus beigemischt und muß mindestens 
1 Prozent Fuselöle enthalten, welcher Gehalt aber 1,5 Prozent nicht über- 
steigen darf. Dabei fällt aber schwer ins Gewicht, daß diese 1<-1,5 Pro- 
zent Fuselöle*f? c- nur in Allylalkohol bestehen. 
- * "Lrrfasscogstellte 'Bersüche „betreffs der Giftigkeit ves“ Allhlalköhol5%4 
weißen Mäuse. und Kaninchen an, teils durch Einatmung, teils durch 
Einverleibung durch“ den Mund.“ J<h will das Ergebnis derselben nur 
furz anführen: zuerst stets Rötung der Scteimhäite zei Augen und der 
Nase,“ dann e“sbwertes "Atmen, Konyutsioneit; rscheinungen EN Kohlen- 
säurevergiftung->Lähmung und Tod; oft trat Stiyireit ein. "Das Zirku- 
EHE 1% schwer“ geschädigt, der Blutdruck stark erniedrigt und die 
zthätigkeit gelähmt, entweder vom Gehirn oder von den Herzganglien 
oder vom Herzmüskel selbst aus. "Der in ällen frisch sezierten Fällen (Ka- 
ninchen) konstatierte “Herzstillstand in der Diastole ,' die Cehymosen am 
Peri- und Endocard, die mehr oder"weniger ausgebreiteten „yperämien 
Ee sie “Ausdehnung der Gefässe: im „Net lassen annehmen, 
Daß/igestörte Zirkulation und dadurch herbeigeführter Mangel an sauerstoff- 
Fortsekustä ider Beilää
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.