Full text: Symposium Egon Eiermann

In den 50er Jahren entstand die Wallfahrtiskapelle in Ronchamp von 
Corbusier. Damals fragte Eiermann oft in der Vorlesung: "Wart Ihr schon in 
Ronchamp?" Natürlich waren viele in Ronchamp, denn es war ein Wallfahrts- 
ziel junger Architekten. Eiermann weiter: "Ich frage Euch, ist das Architektur? 
Nein, es ist keine Architektur. Was ist es dann? Es ist eine begehbare Plastik, 
eine begehbare Plastik, genau wie die Freiheitsstatue in New York. Ist schon 
jemand auf die Idee gekommen, die Freiheitsstatue in New York ist 
Architektur? Nein, noch nie ist jemand auf diese Idee gekommen. Genau so ist 
es aber hier in Ronchamp. Ronchamp ist eine begehbare Plastik." (2) 
Ronchamp war nicht gefügt, es war für ihn eine Plastik. Die Gesetze der 
Tektonik waren nicht beachtet, und deswegen war es für Eiermann keine 
Architektur. Die gestaltgebende Kraft Corbusiers wurde von Eiermann voll 
akzeptiert, aber in diesem Fall von Ronchamp hat er das Werk der plastischen 
Kunst und nicht der Architektur zugeordnet. Es war ganz außerhalb seines 
Prinzips der Tektonik. 
2. Das Prinzip der Einfachheit. Die Einfachheit ist hier nicht im Sinne einer 
minimalistischen Architekturideologie gemeint, sondern bezieht sich auf die 
Einfachheit im Einsatz der Mittel. Es gab für Eiermann eine Verantwortung 
gegenüber den eingesetzten Mitteln, und dabei forderte er Einfachheit. An 
vielen Beispielen zeigte er uns, wie Baukunst mit einfachen Mitteln erreichbar 
ist. Ein gutes Beispiel dafür ist die Matthäuskirche in Pforzheim (1956). Dieses 
Bauwerk besteht tatsächlich aus nichts anderem als einigen Betonbindern, die 
oben geneigt sind und deren Felder nur mit Betonsteinen ausgefüllt sind. Das 
ist alles! Aus dieser Archaik des einfachen Einsatzes der Mittel entsteht bei 
Fiermann ein Werk der Baukunst, hier unter Mitwirkung von Theo Baumann, 
der die Glasfenster entwarf.
	        

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