Full text: Symposium Egon Eiermann

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Neben seinen Prinzipien, die wir nicht als Fertiggerichte serviert bekamen, 
sondern die wir selbst aus seiner Lehre herausfinden mußten, war die Person 
Egon Eiermann ein wichtiges Element seines Lehrerfolges. Schon zu Beginn der 
50er Jahre hat Eiermann viel gebaut, unter anderem gleichzeitig die Verseidag 
in Krefeld und die CIBA in Wehr/Baden an der Schweizer Grenze oder auch 
die Weberei in Blumberg, ebenfalls nahe der Schweiz. So mußte Eiermann viel 
reisen, und das Reisen kostete damals viel Zeit, denn es gab weder Intercities, 
es gab kaum Autobahnen und schon überhaupt keinen innerdeutschen Flug- 
verkehr. Das bedeutete auch Abwesenheiten von der Hochschule. Aber auch 
wenn er weniger an der Hochschule war als andere Professoren, so steht 
außer Zweifel, daß die Studenten von ihm am meisten gelernt haben. Dies darf 
aber keinesfalls verallgemeinert werden, daß jeder ein guter Professor ist, der 
sich selten an der Hochschule aufhält. Wenn Eiermann aber anwesend war, 
dann war er voll präsent. Dann war sein Denken, sein Sprechen, seine Bewe- 
gungen, seine Formulierungen, sein Zeichnen voll darauf konzentriert, uns 
irgendetwas in die Köpfe zu bringen, was für ihn wichtig war. Er brachte dann 
alles in die Lehre ein, was überhaupt zu seiner Person gehörte. So ist es nicht 
verwunderlich, daß seine Vorlesungen bald eine "Institution" wurden. Die 
Studenten kamen von anderen Hochschulen und aus anderen Fakultäten. 
Es gibt auch viele Anekdoten über die Lehre von Eiermann. Es sollen aber hier 
keine erwähnt werden, um ihn nicht auf einen Anekdotenproduzenten zu 
reduzieren. Eiermann war ein originaler Mensch: Er hatte ein unkonventionel- 
les Verhalten, eine superschnelle Reaktion, eine große Intelligenz und ausge- 
prägte Kreativität. Das alles zusammen war die Grundlage, daß er fähig war, 
in manchen Situationen sich anekdotenreif zu verhalten. Diese positiv klin- 
gende und auch so gemeinte Beschreibung darf aber keinen Heiligenschein
	        

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