Full text: Symposium Egon Eiermann

bewirken. Eiermann war kein Heiliger. Er hatte auch manche Eigenschaften, 
die für andere Menschen nicht immer einfach waren: Er konnte provozieren, 
er liebte den Widerspruch, er konnte hart sein, und deshalb hatte er nicht nur 
Freunde. 
Jun 
Er liebte den Widerspruch gegen andere, und es schien manchmal, als ob er 
auch sich selbst widersprechen würde. Diese Vorhaltung gegen ihn muß aber 
sehr differenziert gesehen werden. Warum, ist an folgendem Beispiel sehr gut 
zu erläutern. Er konnte beispielsweise in einer Vorlesung folgendes sagen: 
"Kinder - er sagte zu allen Kinder - wenn ihr Architekten werden wollt, dann 
müßt ihr konstruieren lernen, ihr müßt die Statik beherrschen, ihr müßt wissen, 
wie man mit Baustoffen umgeht, ihr müßt die Technik beherrschen. Ohne die 
Technik zu beherrschen kann man heute nicht mehr bauen." Dann hat er in 
der Vorlesung, je nachdem, was im Zusammenhang wichtig war, das Neueste 
über die Stahlverarbeitung, über Holzverbindungen oder anderes Wichtiges 
informiert. Eiermann war ein perfekter Kenner der Technik seiner Zeit. Dann 
hat er zum Beispiel ergänzend noch auf die Ingenieure und insbesondere auf 
Maillart, den er hoch schätzte, hingewiesen und gesagt, daß diese Ingenieure 
phantastische Leute sind und großartig, was diese hinzuzaubern in der Lage 
sind. Dieses war eine Aussage. 
Kurze Zeit später erwähnte ein Student zur Verteidigung seiner Arbeit, die von 
Eiermann kritisiert wurde, daß doch technisch alles richtig sei und er es auch 
mit einem Ingenieur besprochen habe. Darauf Eiermann ziemlich genau so: 
"Wat haste, wat willste denn hier mit der Technik. Mit der Technik kannste doch 
hier überhaupt nichts anfangen. Die Technik ist doch überhaupt nicht wichtig. 
Du bist doch Architekt. Haste mir doch versprochen. Du mußt es doch machen, 
und wat haste mit ’nem Ingenieur gesprochen? Diese Ingenieure laufen doch
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.