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Das Wohnhaus Dienstbach in Berlin-Nikolassee (1936) ist ein
charakteristisches Bauwerk aus dieser Epoche. Es zeigt einen
winkelförmigen Baukörper mit Satteldach, das über den Vorbau
abgeschleppt ist. Das Gebäude ist aus geschlämmtem Mauerwerk erbaut,
das Dach mit Schieferplatten gedeckt. Das Holz der Fenster und Türen ist
farblos lackiert, die Füllung des Garagentores besteht aus ungeschältem
Peddigrohr, kräftig in das Bild gesetzte Diagonalen sorgen für die
notwendige Aussteifung. Der Haus und Garten begrenzende Zaun besteht
aus ungesäumten Brettern, die Eingangstür hat wiederum ein Geflecht aus
Peddigrohr.
Eiermann verwendet also natürliche Materialien in einer sehr spezifischen
Art und Weise und er verwendet unbefangen tradierte Hausformen wie
geschlossener Baukörper und geneigtes Dach. Und doch ist es ein
unverwechselbares modernes Haus. Das zeigt sich an der Art der
Zuordnung von Wand und Öffnungen, der Ausbildung im Detail und an der
Auffassung vom Raum, der Raumverbindungen im Inneren und der
Verbindung nach oben über Treppe und Treppenpodest als nutzbarer
Zwischenraum.
Dieses Prinzip von Trennen und Verbinden läßt sich auch am Verhältnis
von Innen und Außen erkennen. Der Baukörper setzt deutliche Grenzen,
die Verbindung aber wird durch den Bodenbelag aus Solnhoferplatten,
gebrochene Platten außen, geschliffene Platten im Inneren hergestellt.
Nicht der Raum fließt in der Moderne, wie es so oft und irrtümlich
bezeichnet wird, sondern der Raum ist so ausgebildet, daß der Mensch
unterschiedlich begrenzte, miteinander verbundene und voneinander
getrennte Raumbereiche wahrnehmen und erleben, benutzen und
durchschreiten kann.