10 -
positiv zu bewertenden Zeichen; - ein Werk, das in seinem Umfang noch
nicht genügend beschrieben und in seiner Bedeutung für die
Nachkriegszeit noch nicht ausreichend gewürdigt wurde. Die Geschichtsschreibung
hat bisher, angesichts der Verdrängungen in unserer Zeit
verständlich, vor allem jene Spuren aufgezeichnet, die von Architekten des
Dritten Reiches in die Nachkriegszeit reichen oder sich jenen Architekten
des Neuen Bauens gewidmet, die im Dritten Reich nur unter sehr
erschwerten Bedingungen arbeiten konnten und oft genug resignieren
mußten. Egon Eiermann ist ein Sonderfall, der aber in seiner Bedeutung
und Ausstrahlung nicht unterschätzt werden sollte.
1947, also noch vor der Währungsreform, wurde Egon Eiermann als
Lehrer an die Technische Hochschule berufen. Er sollte hier eine breite und
für die Nachkriegszeit in Karlsruhe wichtige Lehrtätigkeit entfalten.
Eiermann traf in Karlsruhe völlig andere Verhältnisse an, als sie an der
Stuttgarter Schule herrschten. Dort war nach dem frühen Tod von Hugo
Keuerleber keiner der Lehrer der einstmals berühmten Stuttgarter Schule
mehr tätig. Unter Richard Döcker, der 1947 berufen wurde, begann ein
Neuaufbau, der sich konsequent an den Zielen des Neuen Bauens
orientierte. Das ist vor kurzem anläßlich des Symposiums zum
100. Geburtstag von Richard Döcker in aller Ausführlichkeit vorgetragen
worden, so daß ich mich hier mit dem Hinweis auf diese Veranstaltung
beschränken darf.
In Karlsruhe dagegen war alles anders. Otto Ernst Schweizer
(1890 - 1965), die wohl dominierende Figur unter den Lehrern dieser
Schule, war bereits 1930, also vor der Machtübernahme berufen worden,
und gehörte zu jenen wenigen Hochschullehrern, die auch nach der
Machtübernahme durch die Nationalsozialisten nicht aus ihrem Amt
entfernt wurden. Das ist umso erstaunlicher, als er sich zuvor, während
seiner Tätigkeit als Oberbaurat in Nürnberg (1925 - 1929), als Architekt