Full text: Beschreibung des Oberamts Tettnang (14)

Hirfchlatt. 
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Hurag-— FriedrihEhafen und trägt in Kirche, Pfarr- und Schulhaus modernes 
Gepräge. Der Friedhof it Hier abfeitz der Kirche mit einer Heinen 
Öibergfapelle. Die Pfarrkirche zur Hl. Verena, im gleichen Stil wie die 
Stadtpfarrlirdhe in Tetinang, modern» oder neuromanijH nad) den Plänen 
der Gebrüder Pfeilftider 1864—66 au8 roten Badkjteinen erbaut, Hai 
einen {Alanfen Turm mit fpigem Zeltdah im Weiten und zeigt im 
allgemeinen beffere Öliederung und Makverhältniffe al8 die Tettnanger 
Kirche, die nod) zuviel an den Finanzkaftenftil erinnert. Im Innern, 
wie in Tettnang, Hokzarqiteltur, zwei Reihen Holzpfeiler, in dem Dach- 
Hubl fi einfügende Holzdede, neurontanijche, frijdhgefaßte Altäre von 
Schnell, Ravensburg, das Ganze bemalt 1910/11 von Schiller und 
Ditermaier-NavenSburg in ftilgerechten und doch modernen Formen. Die 
alte Orgel, aus dem Kofter Hofen Hanunend, ift ein Gejdhent König 
Wilhehn I. AYuf dem Turm vier neue Gloden. AuZ dem früheren, 
alten Verenalirhlein, daz 1764 renoviert und dur einen Choranbau 
erweitert wurde, ijt nichts mehr erhalten, 
Unfern der Kirche, füdweltlich fteht in Gärten das inı gefälligen 
Villenitil erbaute Pfarrhaus, mehr nördlich daZ neue Schulhaus mit 
drei Schuljälen und das alte SchulhauZ mit den Lehrerwohnungen. 
Wenn wir über die Gefchidhte von H.!) (12. Yahırh.: Hirflatt) 
beffer unterrichtet find al3 über die der benachbarten Gemeinden, {o ver: 
danken mir das den Beziehungen des OrteS zu dem Muguftinerklojter 
Kreuzlingen. Um die Mitte de8 12, YahHıhundert8 {Henkte ein Mann 
namen3 Kudolf, der in Kreuzlingen Mind wurde, mit der Kirdhe in 
Kehlen auch fein übrige Erbgut an fein Klofter; wir miffen aber nicht 
fidher, ob er damit den erften Grund zum Befig des Klofter3 in unferer 
Segend legte. Da die Schenkung von einent Ritter Rodeger von Hepbach 
Yreitig gemadt murde, mar Rudolf wohl ein Vermandter diefer Familie. 
Der Umitand, daß der Kreuzlinger Befiß in GH. und Kehlen im 13. Yahr- 
Hundert Vogiredht an die Burg Baumgarten gab (S. 708), weijt vielleicht 
auf Beziehungen zu dem Haufe Baumgarten Hin, Zwifdhen 1162—82 
gab ein welfijder Minijteriale Kuno Kilo ein unbebauteS Landftüc in 
D. an das Klojter, und am Ende des Yahrhundert3 (1198) fhenkte ein 
HabZbhurgifjher Minifteriale Werner von YWilingen mit feinem Bruder 
Kuno ebendahin Befiß in D., Ittenhaufer und Nilingen. Diesmal 
machte neben anderen ein HeinridH von Laubegg Schwierigkeiten. Schon 
im Yahr 1179 wird auch Beftg des Kofter3 in Horgenzell, MoosS, Gras- 
Seuren und Bermatingern, 1192 weiter in Hepbad, Lottenweiler, Baven- 
dorf, Ergetämweiler, WedhfetZmweiler, Waldhaujen und an anderen Orten 
erwähnt. Im 14. und 15. Yahrhundert folgten noch Neinere Ermerbungen 
in der Unıgebung, andererjeit® verkaufte dazZ Klofter 1481 GH5öfe zu Erch- 
maßmweiler-Cuft, Wechjetsmeiler, Zogenweiler und Nehmetsweiler an 
Raven8butrg 7). 
Die N eigungen de8 Klofter8 reht3 von der Schuffen waren Zu- 
behör des Kelnhofs Hirfchlatt, Er umfakhte 1515 außer dem vom Klojter 
bi8 ing 18. Yahrhundert felbit bewirtfhafteten Kelnhof nodh 9 weitere 
1) Yuellen S. 180 und 182. 
2) Bu Rudolf Wirt, Urk. 3, 473; zu Rillo 2, 138. Milingen 2, 
324 ff., Reg. Habsburgica nr. 77-—79, 88; 1179: 2, 204; 1192: 2, 
274; 1481 St. Montfort 103.
	        

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