Volltext : Beschreibung des Oberamts Leonberg (30)

Bohnenberger, BolfSdichtung. Mundart. 445

enthalten. (So wenn er die ZoUmächter durch auffallende Flucht mit
einem leeren Sade auf fi zieht, damit auf dem anderen Wege fein
Ruecht den vollen Wagen herüberbekommt.)
Von volkstümlidhen Deutungen der Tierftimmen, die aus Warm
bronn beridhtet werden, feien folgende genannt, für den Hahnenruf: Sott
ber Herr hört(e)8, für das Gadern der Hennen: Koch’, koch’, Loch’ auch
zu) Mittag, für den Buchfink: fieh, fieh, fjieh, mie find die Brogen
(Rnofven) fo grü(n), Goldamjel: wer, wer, mer fibt di(H) — als
arakteriftifjdhe Vergleide mit Tieren: er fpringt wie ein Hirfh, {ftiehlt
wie eine Ratte, frißt wie ein Hamfter, Jauft wie eine Kuh, guckt wie
ein Sperber, fchreit wie ein Mabe oder wie eine Sau am Meffer (Rute
beim).

4. Mundart.

Borbemerfungen.
©, 0 offenes e, o — e, 0 gelhloffene& e, o — 9 der zwifhen €
und a liegende Laut (Indifferenzvokal), der im Schwäbifgh-Alemannifchen
üllgemein für unbetonte$ -en gejprochen wird, 3. B. in wisa Wiejen —
'\ der qutturale Nafal — x der autturale Keibelaut, mbhd. ch.

_ Bei der Erkundung der Ma, haben mid die Lehrer des Bezirkes
I1owie Dr. Keinath und Dr. Springer in dankensıverter Weije
unterftüßt.

a) Die allgemeine Lage.

Die Mundart entfjpridt den gefchichtliHen Verhältnifjen bes Bezirkes (1
mit deffen Zweiteilung in eine fränfifjdhHe und eine alemanni] dh:
I9)wäbifdhe Gälite und daneben mit der fpäteren Überdedung ver
Tränkijchen Nordhälfte durdy eine mürttembergifch-[Hhmwäbifhe Schicte,
Diefe Zwiefältigkeit der Volksiprahe im Oberamt läßt fich mwenigftens
an der Geftaltung der Laute und der Wortbeugung, die genügend
erfundet find, deutlig nachweijen. Über das Verhalten des Wort
IhabßesS, bdeffen Verbreitung erft wenig erforjdht ift, kann Heute nod
fein Urteil ausgejproden merden. In den Lauten und in der Wort:
beugung ift die von alter8 alemannifh-[Hmäbiidhe Suüdhälfte des Be
3irfe& voll IH mäbifch geblieben, die fränfiihe Nordhälfte dagegen
bat zahlreiche fchmäbijche Beftandteile aufgenommen, jo daß ihre Sprache
Eine Übergangsmundart darftellt, die man iIndeffen näher zur
Tränfijchen als zur fOmwäbijhen Spracform zu rücen hat und für die
de8halb die Benennung „vorfränkif.d“ gebraucht mird. (Diele vor:
fränfijche Untermundart reicht big über ven Heuchelberg nah Norden
und aın Nedar bis über Heilbronn hinab.) Iın einzelnen verläuft dann
die Grenze zwifdghen bdiefer Übergangsmundart und der {Hmäbifjchen
Bollmundart im Bezirk Leonderg immer noch um einige Dörfer nördlidh der
ge]hichtlidgen Grenze der mittelalterlihen Herzogtümer Rheinfranken und
Alemannien: Schwaben, wie man legstere aus den Sprengelgrenzen der Yistümer
 Speier und Konftanz erjdließt.
‚ Unter den Er[dHeinungen, weile Oh wäbifdher Gerkunft find und 2
fi doch über die ganze Nordhälfte des Bezirke® erfireden ({. $ 6),
find folgende befonders ohrenjällig: Ausjprache des mhv. &, d als ai
            
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