56
Zustand gesehen und sein Urteil dahin zusammengefaßt: Sein eigenes
(und seines Schwagers, des Regierungsrat Feuerlein Haus) sind sehr
wohl gebauet und innerlich bequem eingerichtet; auch die Möblierung
verrät den Mann von Ges<hmac>. Zwei Jahre später nimmt Fischer
eine bedeutende Erweiterung seines Hauses vor. Hierbei fügt er einen
dem bestehenden Gebäude an Größe gleichkommenden Anbau an. Das
Haus wird jetzt noch mehr auf Repräsentation8zwecke eingestellt. Die
Treppe ist in den neuen Bauteil verlegt. Auf einer breiten Freitreppe,
die in die große dem Weinkeller vorgelagerte Terrasse eingebaut ist,
gelangt man über letztere zu dem großen, architektonisch ausgestalteten
Vestibül „des ersten Stockes". Die Treppe steigt von hier als
Monumentaltreppe gestaltet zu den oberen Stockwerken empor, deren
Hauptgeschoß ganz für die Zwecke der Repräsentation vorbehalten ist.
Vom „Saal“ aus erreicht man hier zunächst das große Assembleezimmer,
das im neuen dreiachsigen Risalit liegt. Nun gelangt man
durch die Flucht der Gesellschaft8zimmer zum großen Saal in der
Nordfront des Hauses, der in Form und Größe beibehalten wurde.
Der Flur ist als reiner Bedienungsgang angelegt.
Sehr schön ausgeglichen ist die Flucht der Piecen. Die Grundrißdisposition
und die Komposition der Fassade stehen in gutem organischem
Zusammenhang. Merkwürdig ist nur, daß der Baumeister nicht
zu einer restlosen Durchführung der Symmetrie auch bezüglich des
ganzen Baukörpers gelangt. Die Dekoration ist sehr reich, jedoch nicht
struktiv empfunden, Sie darf zweifellos als <arakteristisch für Wohnbauten
dieser zweiten Peviode angesprochen werden (vgl. Abb.).
5. Haus des Regierungsrates Feuerlein.
Über das Aussehen des bereits genannten Hauses des Regierungsrates
Feuerlein, das in der heutigen Friedrichstraße an Stelle der
Vereinsbank stand, ist nichts Näheres bekannt.
6. Haus Madeweis.
In der Beschreibung Stuttgarts hebt Nikolai außerdem noch das
Haus des preußischen Gesandten Madeweis auf dem großen Graben
hervor (ehemals Königstraße Nr. 35). Aus einigen Plänen jüngeren
Datums ließ sich wenigstens ein ungefähres Bild des Hauses rekonstruieren.
Es war ein rechteciger dreigeschossiger Baukörper mit hohem