Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

14 Gesellschaft für Naturkunde 
Hauptverein im Königreich Württemberg dadurch, daß er sich weniger an 
politische Grenzen hält, vielmehr eine geografische Provinz in ihrer natür- 
lichen Abgrenzung zum Feld seiner Tätigkeit macht.“ 
Es wurden sodann Sammlungen angelegt und am 17. 1. 1903 mit 
der Stadt Biberach vereinbart: Mit der städtischen Sammlung von Kultur-, 
Natur- und kunstgeschichtlichen Gegenständen, zu der die Sammlung des 
Pfarrers Dr. Prosst in Essendorf den Grundstock lieferte, soll auch die 
Sammlung des Oberschwäbischen Zweigvereins aufgestellt und bewahrt 
werden. Sie ging später wirklich an die Städtischen Sammlungen Biberach 
über. F. THIERER schreibt im Mitteilungsblatt des Württembergischen 
Museumsverbandes e. V. Stuttgart 1967 über das am 7. Mai 1967 neu auf- 
gebaute Braith- und Mali-Museum: „Auf den Eiszeitgeologen [Einfügung: 
besser hieße es Quartärgeologen] Prosst geht auch die bedeutende geo- 
logisch-mineralogisch-paläontologische Sammlung der naturkundlichen Ab- 
teilung des Museums zurück.“ Die „Statuten“ (1874) des Oberschwäbischen 
Zweigvereins sagen nichts über Sammlungen aus. In den „Satzungen“ 1917 
ist jedoch für den Fall der Auflösung ihre Übergabe an den „Hauptverein“ 
vorgesehen. Wenn auch dieser seine Sammlungen damals schon der Württ. 
Naturaliensammlung zugeführt hatte (siehe E. ScHÜz, diese Jh. 118/119, 
1964, S. 367), so erscheint es in Anbetracht des würdigen Neu-Aufbaues in 
Biberach doch berechtigt, daß die Sammlungen dort verblieben. 
Veranstaltungen: $ 12 der Satzung von 1917: „Da Vereins- 
versammlungen besonders anregend wirken, so sollen solche, soweit irgend 
tunlich, alle 3 Monate einmal abgehalten werden. Bei günstiger Jahreszeit 
können Exkursionen an die Stelle eigentlicher Versammlungen treten.“ 
Diese Bestimmung stand früher nicht nur auf dem Papier. Beim 25jährigen 
Jubiläum des Vereins machte sich der damalige Schriftführer, Baurat 
DırtTtvs von Kisslegg, die Mühe, die Veranstaltungen der ersten 25 Jahre 
zusammenzustellen. Es waren nicht weniger als 115, also durchschnittlich 
mehr als vier im Jahr. Und heute sind wir bei einer einzigen angelangt. 
Lange Jahre hindurch fand eine der Versammlungen immer an Lichtmeß 
statt. Häufigster Tagungsort war von Anfang an Aulendorf, und zwar im 
„Löwen“. Es wurde jeweils eine „Präsenzliste“ geführt, von denen der 
größte Teil in den Akten noch erhalten ist. Die Berichterstattung über die 
Vereinsveranstaltungen war sehr gut und ausführlich, nicht nur in den 
„Jahresheften“, sondern auch in einem Teil der oberschwäbischen Zeitun- 
gen und ganz besonders im Schwäbischen Merkur, ein Beweis, daß man 
auch in Stuttgart Verständnis für oberschwäbische Dinge hatte. 
War Ihnen übrigens bekannt, daß unser Oberschwäbischer Zweigverein 
den Anstoß zu der bekannten Bohrung von Ochsenhausen gegeben hat? 
1875 richtete er eine Petition an den Landtag, man sollte in Oberschwaben 
Bohrversuche auf Braunkohle vornehmen. Die Eingabe wurde in der 
Sitzung des Landtags vom 30. Juni 1875 der Regierung zur Berücksichti- 
gung empfohlen. Unser damaliger Vorsitzender, Baron Könıc, hatte 
namentliche Abstimmung beantragt mit dem Ergebnis: 74 Ja, 3 Nein! 
Vergleich von einst und jetzt: Die Blütezeit des Oberschwäbischen 
Zweigvereins lag ganz entschieden vor dem 1. Weltkrieg, ja sogar noch im 
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