Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

Trockenrasenvegetation des Kappelberges 
Bedeutung von Carex humilis auf dem Kappelberg hin). Es läge deshalb 
nahe, auf dem Kappelberg eine Subassoziation von Carex humilis des 
Onobrychi-Brometum zu benennen - es fehlt allerdings vorerst noch an 
zufriedenstellendem Vergleichsmaterial. Zwar nannte KuHn 1937 vom 
Nordtrauf der Schwäbischen Alb ein „Carex humilis -— Mesobrometum“, 
mit ähnlichen Charakter- und Differentialarten (Carex humilis, Anthericum 
ramosum, Teucrium chamaedrys, Asperula cynanchica, Globularia elongata, 
Anemone pulsatilla, Aster amellus u. a.), das dort an exponierten Südhän- 
gen zwischen dem xerophilen Sesleria-Mesobrometum und dem mesophilen 
Gentiana verna-Mesobrometum bzw. dem Mesobrometum collinum ver- 
mittelt; aber auf Grund anderer Klima- und Bodenverhältnisse weicht die 
übrige Zusammensetzung dieser Pflanzengesellschaft ab. Vergleicht man 
das pflanzengeographische Arealspektrum dieser Gesellschaft mit dem der 
typischen Variante vom Kappelberg, so stellt man fest, daß die südöst- 
lichen Arten (Gruppe III) zugunsten der subatlantisch-submediterranen 
Arten (Gruppe II), die auf normalen Halbtrockenrasen den Hauptanteil 
bilden (z. B. Diagramm Nr. 4, 6 u. 7), lange nicht mehr in so starkem Maße 
dominieren. Daß es sich hier aber trotzdem um eine Gesellschaft mit konti- 
nentalem Einschlag handelt, erkennt man an dem kleinen Anteil der eura- 
sisch-subatlantischen Arten. Auch im Kaiserstuhl (v. RocHow 1952), auf 
dem Spitzberg (TH. MÜLLER 1966) und in anderen Gebieten fällt Carex 
humilis eine gewisse Rolle in Xerobrometen oder ökologisch damit ver- 
gleichbaren Pflanzengesellschaften zu. Aber auch ein direkter Vergleich 
unserer Gesellschaft mit dem Xerobrometum scheitert, wie deutlich aus den 
Arealspektren hervorgeht (Diagramm 5). Der Anteil der rein submediter- 
ranen Arten ist dazu zugunsten der kontinental-submediterranen Arten auf 
dem Kappelberg zu gering. Auch von einem normalen Onobrychi-Brome- 
tum (Diagramm 4) unterscheidet sich der Magerrasen auf dem Kappelberg 
grundlegend, so daß eine zwanglose Einordnung in bisher vorhandene 
Assoziationen bzw. Subassoziationen nicht ohne weiteres möglich ist. 
Ausgesprochen charakteristisch und wie für die Verhältnisse des Kappel- 
berges geschaffen ist Euphrasia lutea (Gelber Augentrost), die im Herbst 
mit intensiv gelben Blüten neben anderen Pflanzen noch für ein buntes 
Aussehen sorgt. Wir kennen sie zum Beispiel von den Kalksand-Dünen 
der oberrheinischen Tiefebene, und sie zählt auch zu den Steppenpflanzen 
Südosteuropas. Im Kaiserstuhl ist sie eine der bezeichnendsten Arten des 
Xerobrometum (v. RocHow 1952), und TH. MÜLLER 1966 verwendet sie 
zusammen mit Aster linosyris, Teucrium chamaedrys, Carex humilis, Anthe- 
ricum ramosum und anderen als Differentialart des Überganges vom 
Xerobrometum zum Geranion sanguinei. Euphrasia lutea hatte im Stutt- 
garter Raum früher mehrere Fundorte, ist aber heute außer auf dem Kap- 
pelberg nur noch bei Schönaich (SEYBOLD 1968, KreEH 1957) anzutreffen. 
Da die ökologischen Ansprüche von Euphrasia lutea den besonderen Be- 
dingungen des Magerrasens auf dem Kappelberg gerecht werden, könnte 
man auch sie als Trennart der oben vorgeschlagenen Subassoziationen 
verwenden. 
Jahreshefte d. Gesellschaft f. Naturkunde i. Württ. 1969 
209 
14
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.