Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

Berichte 
Museen zu bewältigende — Aufgabenbereich der phylogenetischen und syste- 
matisch-zoologischen Forschung auf ein reich differenziertes Niveau neuer wissen- 
schaftlicher Fragestellungen, Methoden und Ergebnisse gehoben worden. 
Jedoch, in diese Dankbarkeit mischt sich Sorge, jene Besorgtheit, die die Ver- 
treter der zoologischen Wissenschaft an den Universitäten gegenüber ihren 
Kollegen an den Zoologischen Museen und für sie hegen müssen. Wenn sie 
selbst im Zuge der heute so populären und seit Jahren recht aktiven Wissen- 
schaftsförderung finanziell, personell und materiell meist hinlänglich ausgestattet 
sind, müssen sie mit Beunruhigung beobachten, daß die wissenschaftliche Arbeit 
der zoologischen Museen und die an diesen Museen tätigen Kollegen von solcher 
Wissenschaftsförderung nur allzu sparsam betroffen worden sind. In diesen Miß- 
lichkeiten wirkt u. a. auch eine bestimmte Tradition nach. Verglichen mit den zu 
hoher Leistungsfähigkeit entwickelten zoologischen und entomologischen Museen 
in Berlin waren einst die kleineren derartigen Museen in Deutschland mehr von 
regionaler Bedeutung. Die unheilvollen politischen Entwicklungen der jüngsten 
Zeit haben uns jene reichen Hilfsmittel der genannten Berliner Institute gänzlich 
entzogen. Will die zoologische Wissenschaft in der Bundesrepublik gleichwohl 
ihren internationalen Rang auch auf dem nur an den Zoologischen Museen zu 
pflegenden Forschungsbereich der Phylogenetik und Systematik behaupten, so 
müssen wenigstens einige der in der Bundesrepublik gelegenen Zoologischen 
Museen zu Forschungsstätten von hohem Rang und internationaler Konkurrenz- 
fähigkeit entwickelt werden. 
Dies ist gerade für das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart von der 
wissenschaftspolitischen Weitsicht seiner derzeitigen Direktion klar erkannt wor- 
den: Hier konnte in zielbewußter Planung eine phylogenetisch-systematische 
Arbeitsgruppe ins Leben gerufen werden und ihre Tätigkeit aufnehmen. Ihre 
stupenden Arbeitsergebnisse haben bereits heute internationalen Rang, und sie 
haben, weltweit anerkannt, ihren Wissenschaftsbereich in einen neuen Fluß ge- 
bracht und zu höchst ergiebigen neuen Fragestellungen geführt. Daher lassen Sie 
mich aus der Besorgtheit des Universitätszoologen gegenüber der Forschung an 
den Zoologischen Museen die Hoffnung aussprechen, daß die für die Wissen- 
schaftsförderung Verantwortlichen über ihren Sorgen für die Hochschulen und 
die Wissenschaft an ihnen nicht vergessen mögen, wie gerade den zoologischen 
Museen Forschungsaufgaben von zentraler und integrierender Bedeutung zu- 
gefallen sind, für deren Bearbeitung an den zoologischen Universitäts-Instituten 
die Voraussetzungen nicht mehr bestehen.“ 
So etwa Professor GÜNTHER. Er übergab sodann im Auftrag des Dekans 
die Ehrenpromotions-Urkunde „dem hervorragenden Zoologen, Phylo- 
genetiker und Entomologen, dem Begründer einer tragenden Theorie der 
zoologischen Systematik, dem ideenreichen Initiator und bahnbrechenden 
Methodiker einer phylogenetisch-taxonomischen Forschung, deren Lehren 
heute in aller Welt eine bewegte Diskussion und reiche Gefolgschaft ge- 
funden haben“. 
Nunmehr sprachen ihre Glückwünsche aus Staatssekretär Professor Dr. 
MECKELEIN für den Herrn Kultusminister, Professor Dr. ScHÜz für das 
Museum, mit Hinweis auf die Mängel, die zur Zeit die Arbeit gerade der 
Abteilung für stammesgeschichtliche Forschung erschweren, Professor Dr. 
PFLUGFELDER als Vertreter der Universität Hohenheim und die einzelnen 
Mitarbeiter des Museums. Zum Abschluß verknüpfte Professor Dr. Dr. 
h. c. HENNIG seinen Dank mit einem kurzen Bericht über ein zusätzliches 
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