Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

- C. König 
auf; oder fehlt er hier völlig? Kommen beide Arten tatsächlich einmal 
nebeneinander vor, so ist die Beschaffenheit des Biotops so, daß genügend 
Höhlungen, Spalten usw. vorhanden sind, und daß der wendigere Garten- 
schläfer in andere Quartiere ausweichen kann. Da er hauptsächlich ani- 
malische Kost zu sich nimmt (siehe unten), ist die Nahrungskonkurrenz 
mit Glis nicht besonders groß. 
Es wäre also falsch, anzunehmen, der Gartenschläfer würde kühlere 
und feuchtere Biotope als der Siebenschläfer bevorzugen. Eliomys ist 
lediglich eine in bezug auf ihre ökologischen Ansprüche plastischere Art, 
die auch in Nadelwäldern der Gebirge leben kann. In Südeuropa ist der 
Gartenschläfer mit Abstand die häufigste Schläferart von z.T. extrem 
warmen und meist auch sehr trockenen Biotopen. Im Gebirge geht er 
allerdings bisweilen über 2000 m hoch. 
Die Paarungszeit des Gartenschläfers fällt in die Monate April bis Juni. 
Brünstige 9© lassen zu dieser Zeit häufig fiepende Laute hören. Nach 
einer Tragzeit von etwa 23 Tagen wirft das % 3-7 Junge in einem weich- 
gepolsterten Nest, das bei uns meist überwiegend aus Moos gebaut ist. 
Die Jungen öffnen die Augen nach 18 Tagen und werden 4 Wochen lang 
gesäugt. Im Alter von 2 Monaten sind sie selbständig und im nächsten 
Frühjahr geschlechtsreif. In unseren Breiten findet nur 1 Wurf im Jahr statt. 
Der bei milder Witterung hin und wieder unterbrochene Winterschlaf 
wird in ausgepolsterten Höhlen, z. T. auch in Nistkästen gehalten. Garten- 
schläfer werden etwa 5-6 Jahre alt. Jung aufgezogen werden sie — wie 
alle übrigen Schläfer — sehr zahm. 
Eliomys quercinus ist wohl der Bilch, der am meisten tierische Nahrung 
verzehrt, nämlich vor allem Insekten in allen Entwicklungsstufen, Gehäuse- 
schnecken und gelegentlich kleinere Wirbeltiere. Wo Gartenschläfer häufig 
vorkommen, können sie als Nestplünderer lästig werden. Sie dürfen daher 
dort - wenn eine behördliche Ausnahmegenehmigung erteilt wurde - 
dezimiert werden. Neben tierischer Kost verzehrt Eliomys — wie auch die 
anderen Bilche - Knospen, Samen, Beeren, Obst, Triebe und Rinde sowie 
nicht selten Küchenabfälle. 
Unter dem Gartenschläfer ist auf der Farbtafel die vierte europäische 
Schläferart, der Baumschläfer (Dryomys nitedula), abgebildet. Die graue 
Unterart intermedius bewohnt Tirol und wird daher auch als „Tiroler 
Baumschläfer“ bezeichnet. Dryomys nitedula steht in der Größe zwischen 
Haselmaus und Gartenschläfer und ist durch die schwarze Gesichtsmaske 
vom wesentlich größeren Siebenschläfer zu unterscheiden. Das abgebildete 
Tier wurde 1968 von Dr. H. LöHrı im Ötztal in einem Vogelnistkasten 
gefunden. Es wäre daher denkbar, daß der Baumschläfer an geeigneten 
Stellen auch im Allgäu vorkommt. 
Literatur 
BRINK, VAN DEN F. H. (1956): Die Säugetiere Europas. — Berlin. 
Könıc, C. (1969): Wildlebende Säugetiere Europas. — Stuttgart. 
LöHyRrL, H. (1938): Ökologische und physiologische Studien an einheimischen Mu- 
riden und Soriciden. — Zeitschr. Säugetierk. 13. 
VocerL, R. (1940): Die alluvialen Säugetiere Württembergs. — Diese Jh. 96: 89-112. 
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