Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

Kleine Mitteilungen 
Düngung wandelten viele dieser Wiesen in Fettwiesen mit zweifacher 
Mahd um. Der erste Schnitt erfolgt um die Monatswende Mai/Juni, zu 
einem Zeitpunkt, wenn die jungen Schafstelzen noch nicht flügge sind. Nur 
außerhalb der Wiesen nistende Paare brüteten erfolgreich. Ganze Popula- 
tionen wurden zur ökologischen Umstellung gezwungen. 
Im Kirchheimer Raum, wo die Schafstelze früher nicht brütete, wird bei 
der Besiedlung die Vorliebe für feuchte Gebiete deutlich. Erst nach maxi- 
maler Bevölkerung der wasserreichen Ruderalflächen werden trockene, 
wasserferne Hackfruchtfelder besiedelt. Ob deren Besiedlung eine Folge 
des Populationsdruckes der Neckartalvögel ist, muß offen bleiben. Dafür 
spricht allerdings, daß Schafstelzen in den angrenzenden Gebieten um den 
Kirchheimer Raum als regelmäßige Brutvögel fehlen, ebenso in den Nach- 
barkreisen Reutlingen und Tübingen. Die Brutplätze, die ScHüz (1961) vor 
dem Krieg zwischen Plochingen und Stuttgart fand, sind längst der Be- 
bauung zum Opfer gefallen. Die nächsten Ackervorkommen liegen beider- 
seits des Neckars im Gebiet Stuttgart/Ludwigsburg (LEIBBRAND, SCHÜZ 
mdl.) und sind möglicherweise als Ausläufer einer einst vorhandenen 
Neckartalpopulation anzusehen, die durch Bebauung verdrängt wurde. Die 
oben aufgezeigte Entwicklung von Riedwiesen über Ruderalflächen zu 
Hackfruchtfeldern kann unter Umständen die Ursache für die Aufsplitte- 
rung der Areale sein. 
An folgenden Orten sind 1969 Ackervorkommen bekannt: Köngen, Den- 
kendorf und Neuhausen auf den Fildern (Kreis Esslingen). Wendlingen, 
Kirchheim, Dettingen, Nabern, Bissingen, Ohmden (Kreis Nürtingen), so- 
wie nach B. ULLRICH (mdl.) Holzheim und Eschenbach (Kreis Göppingen). 
Bei allen Paaren handelte es sich um echte Motacilla flava flava. Vertreter 
aus dem Rassenmischgebiet M. f. flava / M. f. cinereocapilla wurden bisher 
nur als Durchzügler festgestellt. 
Schrifttum 
BEER, W. D. (1966): Über den Biotopwechsel der Schafstelze. Beitr. z. Vogelk. 11, 
201-210. 
GATTER, W. (1967): Die Vögel der Wernauer Baggerteiche. Diese Jh. 122, 136 
bis 153. 
GEYR VON SCHWEPPENBURG, H. (1960): Motacilla flava wurde Feldvogel, J. Orn. 
101, 282. 
HAEFNER, R. (1920): Aus dem mittleren Neckartal. Mitt. Vogelw. 18, 40-42. 
Kırcuner, H. (1960): Die Schafstelze als Brutvogel in Kartoffeläckern. Orn. Mitt. 
12, 53. 
PEITZMEIER, J. (1961): Kartoffeläcker als Brutbiotop der Schafstelze (M. f. flava) 
Orn. Mitt. 13, 77. 
SCHUMANN, H. (1962): Ansiedlung von Schafstelzen auf Ackerflächen. Orn. Mitt. 
14, 208. 
ScHüz, E. (1961): Auf der Hut für Hochrhein und Bodensee, Vergleiche mit dem 
Neckar. Schwäb. Heimat p. 2-5. 
THALMANN, E, (1969): Das Brutvorkommen der Schafstelze bei Tägerwilen (Un- 
tersee). Orn. Beob. 66, 16-18. 
WULF GATTER, Kirchheim (Teck) 
275
	        

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