Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

Kleine Mitteilungen 
Mitte Mai fällt noch in den Streuungsbereich der Randdaten des Heim- 
zugs (KROyMANN 1968) und begründet daher noch keinen Brutverdacht, 
auch wenn diese späten Bekassinen sich stets in brutbiotopähnlichen nassen 
Wiesen aufhalten (und daher das von anderen Limikolen bevorzugte 
Neckartal mit seinen Kiesgruben meiden, weil es dort solche Wiesen nicht 
mehr gibt, KROyYMANN 1968; vgl. auch GATTER 1967: bei Wernau/Neckar 
nur bis „Ende April“). Ebensowenig begründen Balzflug („Meckern“) und 
Gesang („tüke-tüke“-Strophen; zutreffend BERNDT und DANCKER 1956) für 
sich allein schon Brutverdacht; sie sind auch kein sicherer Indikator für ein 
besetztes Revier (während der Fluggesang des Kiebitzes stets einen terri- 
torialen Anspruch ausdrückt). 
Am oben erwähnten Brutplatz hatten wir auf regelmäßigen Begehungen 
im April 1969 Balzverhalten von den stets anwesenden Bekassinen nicht 
notieren können. Lediglich R. und I. GiroD hatten in der Abenddämme- 
rung am 22. März kurzes Meckern einer Bekassine vernommen. Eine andere 
Verhaltensweise dagegen ließ uns Brutverdacht schöpfen und schließlich 
das Nest finden: Es ist dies ein von dem üblichen sehr fördernden Zick- 
zackflug vollkommen abweichendes Fluggebaren, dem wir für uns den 
Namen „Taubenflug“ gegeben haben. Die Bekassine fliegt hierbei lang- 
sam auf, gleitet mit schräg etwa in rechtem Winkel zueinander ausgestell- 
ten Flügeln (wie eine im Balzflug abwärtsgleitende Haustaube) niedrig 
dahin, schaltet ein paar langsame Flügelschläge oder auch ein eigentüm- 
liches kurzes Schwirren ein, gleitet wieder usw., um sich schließlich in 
behutsamer Manier wie eine Zwergschnepfe ins schützende Gras zu sen- 
ken. Dieser Flug scheint uns am zuverlässigsten anzuzeigen, daß die 
Bekassine sich entweder in der Nähe des Nestes befindet oder wenigstens 
in Brutstimmung eine feste Beziehung zu einem bestimmten Territorium 
eingegangen ist. 
In unseren Tagebüchern finden sich folgende Aufzeichnungen über den 
„Taubenflug“: 
30.4.1966 2 von 3 Ex. in im Vorjahr nicht gemähten nassen Wiesen im Unter- 
jesinger Ammertal / TU. 
1.5.1966 1 Ex. ebenda 
11.5.1966 1 Ex. ebenda „wiederholt für kurze Strecken von allein auffliegend. 
Ruft am Boden leise ‚wäd‘, etwa an Dorngrasmücke erinnernd.“ 
28.4.1968 1 von 2 Ex. auf der Hulb, dem Brutplatz 1969. 
6.4.1969 2 von 6 Ex. auf den Rohrauer „Nassen Wiesen“ / BB. Dort ferner 
„ausgiebiges Meckern und tüke-tüke-Flüge“. 
Wir möchten annehmen, daß die Bekassine im ersten Fall im Mai 1966 
bei Unterjesingen/TÜ tatsächlich brütete. 
Schrifttum 
BERNDT, R., und P. DAnckKer (1956): Hat die Bekassine (Gallinago gallinago) 
einen besonderen Tücketücke-Balzflug? Vogelwelt 77, 60-61. 
GATTER, W. (1967): Die Vögel des Wernauer Baggerteichgebiets. Jh. Ver. vaterl. 
Naturkde. Württemberg 122, 136-153. 
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