Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

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und versuchte zugleich, sie mit dem biblischen Schöpfungsbericht in Ein- 
klang zu bringen. 
Die wissenschaftliche Arbeit von HuvEnes begann mit einer Kartierung 
im Schweizer Jura. Seine Tübinger Dissertation behandelt dann silurische 
Brachiopoden; aber schon kurz danach verlagerte sich das Interesse auf die 
fossilen Wirbeltiere, insbesondere die Welt der Saurier. Als Assistent bei 
seinem Doktorvater KokKEn befaßte er sich zunächst mit schwäbischen 
Trias-Sauriern. In den Jahren vor 1914 unternahm er dann mehrere Reisen 
zu außerdeutschen Museen und Fossilfundstellen, 1911 nach den USA, 
wo damals oft noch das Pferd einziges Verkehrsmittel war. Auf dieser 
Reise machte er die Bekanntschaft paläontologischer „Klassiker“ wie LULL, 
OSBORN, GRANGER, SINCLAIR, WILLISTON, CAsE und WALCcoTrT. Nach dem 
Krieg ging es wieder hinaus, so 1923/24 zu einer großen Grabungs-Expedi- 
tion nach Südamerika und Südafrika. Eine Fülle von Zeichnungen und 
Notizen, mehrere Tonnen Fundgut und neue persönliche Kontakte brachte 
er mit zurück, Aber auch im heimischen Raum wurde nun systematisch 
gegraben, trotz Inflation mehrere Sommer lang auf Plateosaurier-Skelette 
im Keuper von Trossingen. Gleichzeitig wurden die Funde aus den Lias- 
Ölschiefern von Holzmaden bearbeitet. 
Seine unermüdliche Arbeit hat ihren Niederschlag gefunden in über 
300 Veröffentlichungen, einem Standardwerk über die „Paläontologie und 
Phylogenie der Niederen Tetrapoden“ (1956) und nicht zuletzt in den 
Sammlungen des Tübinger Geologisch-Paläontologischen Instituts, die er 
jahrzehntelang verwaltet und mit zahllosen Skelett-Montierungen zu einer 
Schatzkammer der Wirbeltier-Paläontologie gemacht hat. 
So ist die klassische Zeit der Entdeckungen im Bereich der fossilen 
Reptilien eng mit dem Namen von HvEneE verknüpft. Sein internationaler 
Ruf hat außerdem viel dazu beigetragen, daß aus der Wirbeltier-Paläonto- 
logie eine Wissenschaft geworden ist, die über Ländergrenzen hinweg die 
Forscher zusammenführt und verbindet. 
A. SEILACHER und F. WeEsTPHAL, Tübingen 
Edgar Irmscher 
Ordinarius für Botanik 
Am 3. Mai 1968 verstarb im 81. Lebensjahr der bekannte Systematiker 
Prof. Dr. EDGAR IRMSCHER, Emeritus an der Universität Hohenheim. 
E. IRMSCHER wurde am 17. August 1887 in Dresden geboren und promo- 
vierte 1911 bei dem Physiologen PrerFErR in Leipzig mit der Arbeit: Über 
Resistenz der Laubmoose gegen Austrocknung und Kälte (Jb. wiss. Bot. 50, 
1912). Er ging dann anschließend nach Berlin zu dem großen Systematiker 
ENGLER, mit dem zusammen er die Gattung Saxifraga bearbeitete. 1913 
übertrug ENGLER ihm die Bestimmung der Begoniaceen Papuasiens und 
der Insel Celebes, und diese Familie, die weit über 1000 Arten umfaßt, 
blieb bis ans Lebensende sein Hauptarbeitsgebiet. Aus allen Teilen der
	        

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