Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

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Welt erhielt IRMmscHER nach Hohenheim die Herbarsendungen mit Be- 
goniaceen zur Bestimmung oder Revision. Fast 20 Arbeiten hat er über 
diese schwierige Familie veröffentlicht, wobei seine meisterhaften Zeich- 
nungen hervorzuheben sind. Neben den Begoniaceen blieben die Moose, 
das Studienobjekt seiner Dissertation, die besondere Lieblingsgruppe. 
1914 erschien eine Arbeit über die Moose Columbiens, 1926 über die 
Moose Afrikas, 1929 die große Arbeit über die Moos-Areale, auf die wir 
noch zurückkommen. Vom 1. bis zum 10. Band bearbeitete IRMSCHER für 
die „Fortschritte der Botanik“ den 11. Abschnitt „Systematische und gene- 
tische Pflanzengeographie“. 
Nach der Teilnahme am ersten Weltkrieg habilitierte sich IRMSCHER 
1919 in Hamburg, wo er als Kustos am Herbar tätig war. 1923 erhielt er 
die Amtsbezeichnung Professor und wurde 1928 zum apl. und 1939 zum 
außerordentlichen Professor ernannt. 1942 übernahm IrRMscHER die Lei- 
tung des Botanischen Instituts und Gartens in Hohenheim, 1943 erfolgte 
seine Ernennung zum ord. Professor an der Landwirtschaftlichen Hoch- 
schule, der jetzigen Universität Hohenheim. In die Hamburger Zeit fallen 
die Veröffentlichungen, die IRMSCHER weit über die Kreise der Systema- 
tischen Botanik bekannt gemacht haben. Es sind seine Arbeiten über die 
„Pflanzenverbreitung und Entwicklung der Kontinente“, erschienen in den 
Mitteilungen aus dem Institut für allgemeine Botanik in Hamburg. Im 
ersten Teil (1922) behandelte IRMSCcHER die Großdisjunktionen vieler 
Familien und Gattungen der Blütenpflanzen und wies nach, daß sie ohne 
die Polschwankungen und die Kontinentalverschiebungen nach WEGENER 
nicht zu erklären sind. Im zweiten Teil (1929) führte er dieselben Gedan- 
kengänge im Hinblick auf die Moose durch, wobei er sich gegen die falsche 
Vorstellung wendet, daß die Moossporen mit dem Wind überall hingelan- 
gen, so daß die Moose für eine verbreitungskritische Untersuchung nicht 
von Interesse sind. In den Grundzügen zeigen die Moos-Areale dieselben 
Gesetzmäßigkeiten wie die Blütenpflanzen. Gewisse Unterschiede sind 
darauf zurückzuführen, daß die Moose ein bedeutend älterer Stamm sind 
und Neubildungen sich bei ihnen langsamer vollziehen als bei den Blüten- 
pflanzen, so daß z.B. die Zahl der Insel-Endemiten geringer ist. — 1926 
hatte bereits ein Schüler von IRMSCHER, WERNER STUDT, in seiner Disser- 
tation die heutige und frühere Verbreitung der Koniferen im Hinblick auf 
die Kontinentalverschiebungstheorie und die Polwanderung ausgewertet. 
Diese drei Veröffentlichungen sind bis heute die wichtigste Stütze der 
WEGENERschen Theorie auf biologischem Gebiet geblieben. Es ist möglich, 
daß die Bewegung der Kontinente sich nicht so vollzog, wie WEGENER sie 
annahm, sondern auf eine Ausdehnung der Erdkugel zurückzuführen ist; 
wesentlich für den Botaniker ist nur, daß sich sehr beträchtliche Breiten- 
und Längenänderungen in der Erdgeschichte für die einzelnen Kontinente 
bemerkbar gemacht haben und dadurch zu der Großdisjunktion im Pflan- 
zenreich führten. 
Als Svstematiker war IRMSCHER zugleich ein eifriger Sammler. Er hinter- 
ließ nicht nur Herbarsammlungen, insbesondere ein sehr wertvolles Moos- 
herbar, sondern auch verschiedene ebenso wertvolle zoologische Sammlun- 
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