Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

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Nachrufe 
war 1907 bis 1912 Lehrer in Dörfern der einstigen Provinz Posen und 
anschließend Präparandenlehrer in Fraustadt (Grenzmark). Er wirkte 
sodann 1924 bis 1934 als Konrektor der dortigen Volksschule. Seit 1928 
widmete er sich daneben bzw. in einem Studienurlaub dem Studium von 
Geologie, Zoologie, Anthropologie, Volkskunde und Vorgeschichte in 
Breslau; er schloß ab 1933 mit einer Doktordissertation über „Die vor- 
und frühgeschichtliche Besiedlung des Kreises Fraustadt“. PFÜTZENREITER 
gründete 1922 in Fraustadt ein vielbeachtetes Heimatmuseum, ferner den 
dortigen Verein für Erforschung und Pflege der Heimat und gleichzeitig — 
als Monatsbeilage der „Posen-Schlesischen Grenzzeitung, Fraustädter 
Volksblatt“ das Organ „Das Fraustädter Ländchen“. (Es lebte 1953 unter 
Dr. E. ScCHOBER als Vertriebenen-Heimatblatt wieder auf; Nachruf PrürT- 
ZENREITER dort in 15, 1969, S. 6.) 1934 siedelte PFÜTZENREITER nach Beu- 
then um, wo er das Oberschlesische Landesmuseum gründete. Er blieb 
dessen Leiter bis zur Vertreibung 1945. Im folgenden Jahr traf er mit 
Frau und drei Kindern in Marbach am Neckar ein, und aus dieser Zeit 
ergab sich zwischen uns ein guter Kontakt. PFÜTZENREITER war schon seit 
1920 im Naturschutzdienst tätig gewesen, zunächst als Kreisbeauftragter 
in Fraustadt und ab 1937 als Provinzialbeauftragter für Oberschlesien, 
und so sollte ihm auf diesem Gebiet nun im neuen Land ebenfalls eine 
wichtige Aufgabe erwachsen. Ich konnte ihn ab 1. September 1947 als 
Mitarbeiter an der Nordwürttembergischen Landesstelle für Naturschutz 
und Landschaftspflege gewinnen; nach meinem Abgang war er Mitarbei- 
ter von Professor SCHWENKEL, und 1952/53 wurde er als Nachfolger des 
Vorgenannten der Landesbeauftragte für Nord-Württemberg mit Sitz im 
Favorite-Schloß Ludwigsburg. Seine reichen Erfahrungen waren in dieser 
schwierigen Übergangszeit sehr nützlich; vor allem konnte er das im 
Favorite-Schloß geplante Naturschutzmuseum verwirklichen. Nach seinem 
Ausscheiden in den Ruhestand blieb er weiterhin als Kreisbeauftragter in 
Ludwigsburg und als Berater der Landesstelle im Naturschutz tätig. 
PFÜTZENREITERS Werk hat in der Grenzmark, in Oberschlesien und schließ- 
lich in Württemberg gute Früchte getragen. Sein pädagogisches Geschick 
erschloß ihm den Zugang zu der Öffentlichkeit und besonders zur Jugend, 
wie seine beiden trefflichen, viel aufgelegten Bildbände „Blumen am 
Wege“ und „Tierwelt der Heimat“ (Verlag Driess, Plochingen) zeigen. 
Ungefähr 200 Veröffentlichungen entstammen seiner Feder, darunter 
solche über Vorgeschichte und Volkskunde, wie sie etwa in der von ihm 
1953 begründeten Heimatzeitschrift „Das Fraustädter Ländchen“ zu fin- 
den sind, ferner viele Arbeiten in mehreren Zweigen des Naturschutzes. 
Schmerzlich war ihm der Verlust eines Manuskripts über die Kleinsäuger 
seines oberschlesischen Raumes, das nicht wieder zustande kam. In wie 
schwierigen Gebieten er tätig war, zeigt seine Untersuchung über „Eine 
seltene Eichengalle in Deutschland, die Eichensamengalle Callirhytis 
glandium“ (Natur und Volk 89, 1959), und mit H. WEIDNER zusammen 
beschrieb er „Die Eichengallen im Naturschutzgebiet Favoritepark ... und 
ihre Bewohner“, in: Das Naturschutzgebiet Favoritepark (ohne Jahr), 
S. 88-1380: eine reichbebilderte wertvolle Übersicht. Das Staatl. Museum
	        

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