Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

Urmensch-Museum Steinheim 
erst nach Jahrzehnten erwiesen werden konnte. Bei einem Alter von nahezu 
einer halben Million Jahren ist er der älteste menschliche Beleg Europas 
und ungefähr doppelt so alt wie der Steinheimer Schädel, der zeitlich dem 
Großen, durch Mindel- und Riß-Eiszeit begrenzten Interglazial zugeord- 
net werden muß. Seiner Zeitstellung entsprechen neben einer geringen 
Kapazität manch urtümliche Merkmale, doch stehen diesen fortschritt- 
liche gegenüber, welche den Homo steinheimensis als Vorfahren des heu- 
tigen Menschen, des Homo sapiens, erscheinen lassen. 
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Abb. 1. Die Stirnseite der Mittelvitrine — Blickpunkt des Ausstellungsraumes — 
mit dem Steinheimer Urmenschen-Schädel; in der vorderen linken Seitenvitrine 
erkennt man Modelle vom Wald- und Steppenelefanten, in der hinteren rechten 
Seitenvitrine eine Geweihschaufel des Riesenhirsches. Nach einer Aufnahme von 
Horst ScHÄFER (Besigheim) vom Mai 1968. 
Die Urmenschen-Funde von Mauer an der Elsenz und Steinheim an der 
Murr vermochten das Wissen um die Entfaltung des vorzeitlichen Men- 
schen wesentlich zu mehren. Beide trugen dazu bei, die sich weit über eine 
Million Jahre erstreckende, die altweltlichen Kontinente Afrika und Asien 
samt Europa umspannende menschliche Stammesgeschichte aufzuhellen — 
ein Geschehen, das durch in zeitlicher Abfolge angeordnete Schädel sowie 
durch Karten wichtiger Fundgebiete erläutert wird. Auf Australopithecus 
africanus als kennzeichnendem Vertreter der aus Süd- und Ostafrika gut 
dokumentierten Vormenschen folgt Pithecanthropus erectus, welcher zu- 
sammen mit den reichen chinesischen Belegen von Choukoutien bei Peking 
die Gruppe der Frühmenschen bildet, deren einstige weite Verbreitung 
der Unterkiefer von Mauer und neuere Funde in Afrika bezeugen. Zu 
ihren Nachfahren gehören sowohl die als Altmenschen ansprechbaren 
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