Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

58 
Geophysikalische Arbeiten und Untersuchungen 
in Württemberg 
Ein Rückblick bis um die Jahrhundertwende 
Von WILHELM HILLER, Stuttgart 
Geophysikalische Arbeiten haben in Württemberg — wie in den meisten 
Ländern Europas - kurz vor der Jahrhundertwende begonnen. Sie bilden 
eine wesentliche Ergänzung und Erweiterung zu rein geologischen Unter- 
suchungen, indem man durch Messungen und Beobachtungen physika- 
lischer Art einen Einblick in tiefere Horizonte der Erde als durch geo- 
logische Oberflächenbeobachtungen erhält. Im Vordergrund geophysika- 
lischer Arbeiten in bezug auf die feste Erde stehen seismische, erdmagne- 
tische und gravimetrische Untersuchungen. 
I. Seismische Arbeiten 
Am frühesten haben in Württemberg und Hohenzollern die seismischen 
Arbeiten begonnen, schon gegen das Ende des letzten Jahrhunderts. 
Unter allen geophysikalischen Arbeiten nehmen sie auch den breitesten 
Raum ein, da Südwestdeutschland zu den bebenreichsten Gebieten 
Deutschlands gehört. Anfangs standen nur makroseismische Beobachtun- 
gen (nur durch den Menschen selbst ohne instrumentelle Hilfsmittel wahr- 
genommen) zur Verfügung. Für die Jahre 1867 bis 1887 hat H. v. Eck 
in den Jahresheften unseres Vereins über die Wahrnehmungen berichtet. 
Aus den Reihen des Vereins wurde 1886 eine Erdbebenkommission mit 
der Aufgabe gegründet, die Erdbebenwahrnehmungen in Württemberg 
und Hohenzollern zu sammeln und wissenschaftlich zu verarbeiten. In den 
Jahresheften des Vereins erschienen jährlich Berichte für die Jahre 1887 
bis 1904, bearbeitet von H. v. Eck und anschließend von AuG. v. SCHMIDT. 
Im Jahre 1893 wurde in Hohenheim als eine der ersten in Deutschland 
eine einfache Erdbebenwarte mit selbstgebauten Instrumenten eingerich- 
tet, instrumentell und wissenschaftlich betreut von K. MAcK (Hohenheim) 
und Auc. v. SCHMIDT (Stuttgart). Auf die Bitte der Erdbebenkommission 
wurden die Erdbebenbeobachtungen von 1904 an in den Aufgabenbereich 
des Württ. Statistischen Landesamts übernommen. Von 1905 an wurden 
die jährlichen Erdbebenberichte von der Meteorologischen Abteilung des 
Statistischen Landesamts veröffentlicht. In dieser Form erschienen die 
Berichte bis zum Jahr 1918, durchweg bearbeitet von K. Mack. Für die 
Tahre 1911 bis 1917 sind auch die Berichte der als Außenstation gegrün- 
deten Erdbebenwarte in Biberach mit aufgenommen (die Station Biberach 
wurde 1917, im 1. Weltkrieg, wieder aufgelöst; an ihre Stelle trat nach 
Kriegsende die Station Ravensburg) (1). Von 1919 an werden Jahresberichte
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.