Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

Geophysikalische Arbeiten 
bekannt und nachgewiesen sind bis heute rund 335 Einzelschlote. W. 
BRANCO waren 1894/95 rund 125 Schlote bekannt, Gc. WAGNER führt in 
seiner Zusammenstellung im Jahre 1956 179 Schlote auf. Durch die magne- 
tischen Messungen wurden also 156 bisher unbekannte Schlote aufge- 
funden. 
III. Gravimetrische Arbeiten 
Das Schwerefeld der gesamten Erde ist verhältnismäßig einfach, wenn 
man es nur in großen Zügen betrachtet: Infolge der Erdrotation ist die 
Erde keine Kugel, sondern ein Rotationsellipsoid mit der Abplattung 
1 :279, d.h. die Polhalbachse ist etwa 21 km kleiner als die Äquatorhalb- 
achse. Die Schwerebeschleunigung ändert sich gesetzmäßig mit der geo- 
graphischen Breite, und zwar nimmt sie mit der geographischen Breite zu: 
sie beträgt am Äquator rund 978 Gal (1 Gal = 1 cm sec”) und an den 
Polen rund 983 Gal. In der geographischen Breite von Württemberg 
nimmt die Schwerebeschleunigung von Süden nach Norden je Kilometer 
um 0.807 Milligal zu (1000 Milligal = 1 Gal). 
Diesem Normalfeld sind aber als Schwereanomalien noch Störungen 
überlagert, die von Massenunregelmäßigkeiten im tieferen Untergrund 
herrühren. Durch Ermittlung der Anomalien wird man auf derartige 
Massenunregelmäßigkeiten aufmerksam und erhält so einen Einblick in 
den tieferen Untergrund. 
Um den Verlauf des Schwerefeldes in Württemberg kennenzulernen, 
wurden von K. R. Koch (16), damals Ordinarius für Physik an der TH 
Stuttgart, in den Jahren 1899 bis 1909 an insgesamt 90 Stationen relative 
Schweremessungen mit Pendeln ausgeführt, wie dies zu jener Zeit all- 
gemein üblich war. Das waren Messungen, die mit vielen Schwierigkeiten 
und großem Zeitaufwand verbunden waren; sie verdienen auch heute 
noch, wo man mit den modernen Gravimetern wesentlich einfacher und 
rascher arbeiten kann, große Bewunderung und Anerkennung. 
Nach Pendelmessungen aus den Jahren 1884 bis 1929 hat K. SCHÜTTE 
(17) für ganz Süddeutschland eine Karte der Schwereabweichungen gegen- 
über dem Normalfeld gezeichnet, in der die KocHschen Messungen mit 
enthalten sind. Im Rahmen der Lagerstättenforschung wurden in den 
letzten Jahrzehnten von Prospektionsfirmen engmaschige Schweremessun- 
gen ausgeführt und in Karten dargestellt, die so zahlreiche Einzelheiten 
enthalten, daß sie hier nicht näher aufgeführt werden können. Zum 
Schluß sei noch erwähnt, daß neuerdings von Stuttgart aus das Steinhei- 
mer Becken auch gravimetrisch gründlich vermessen wurde (18). Die 
Messungen haben aber gezeigt, wie schwierig deren Deutung in bezug auf 
die Entstehung des Beckens ist. 
Schrifttum 
(1) K. Mack, Geschichte der Hohenheimer Erdbebenwarte von ihren Anfängen 
bis zum Jahr 1925. 
Württ. Jahrb. f. Statistik u. Landeskunde, Jg. 1925/26. 
(2) Auc. v ScHMIDT u. K. Mack, Das süddeutsche Erdbeben vom 16. November 
63 
1911.
	        

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