Fossile Spinnen des Randecker Maars
rakter, die auf einen engeren geographischen Raum beschränkt war und
auf wärmere Perioden zurückging. Offensichtlich wuchs um den Binnensee
mit kleiner Uferzone ein üppiger Wald. Organismen, die durch Wind und
kleine Bäche in das Wasser gelangten, wurden im Schlamm eingebettet.
Die aufgefundene Fauna setzt sich aus Schnecken, Arthropoden (meist Insekten),
Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugern zusammen (GEYER
und GWINNER 1964); Funde von Fischen wurden bisher nicht publiziert.
Von den gefundenen Tieren sind die Termiten ein sicherer Indikator für
ein wärmeres Klima im damaligen Lebensraum. Von kleineren flugunfähigen
Tieren, wozu auch die hier behandelten Spinnen gehören, kann man
annehmen, daß sie als terrestrische Formen hauptsächlich aus der unmittelbaren
Uferregion des Sees stammen.
5. Besprechung der Spinnen
5.1. Abkürzungen
B: Bulbus OL: Opisthosoma-Länge
E: Embolus Pa: Patella
Fe: Femur PB: Prosoma-Breite
HMA: Hintere Mittel-Augen PH: Prosoma-Höhe
HSA: Hintere Seiten-Augen PL: Prosoma-Länge
MA: Median-Apophyse RTA: Retrolaterale Tibial-Apophyse
KL: Körperlänge ohne Cheliceren vom O-Pedipalpus
und ohne Spinnwarzen Ta: Tarsus
Mt: Metatarsus Ti: Tibia
OB: Opisthosoma-Breite VMA: Vordere Mittel-Augen
OH: Opisthosoma-Höhe VSA: Vordere Seiten-Augen
5.2. Lycosida ee: Lycosa miocaena n.sp.
Abb. 1, 3, 7—8
Holotypus : Platte und Gegenplatte, Miozän, Randecker Maar,
SW-Deutschland; deponiert im Staatlichen Museum für Naturkunde in
Stuttgart (Inv.-Nr. 24810 a, 24810 b).
Diagnose: S-Pedipalpus: Bulbus kugelförmig, Median-Apophyse klein
und einfach dornförmig (Abb. 1, 7). Starke Bestachelung auf Tibia und
Metatarsus der Laufbeine III und IV (Abb. 3, 8).
Beschreibung: Auf dem Abdruck (Abb. 3) ist das Fossil von lateral
abgebildet, die Laufbeine sind nach oben gerichtet. Der Körper ist intakt,
jedoch fehlen von allen Beinen die Spitzen. Pedipalpen dicht behaart, zusätzliche
Bestachelung nicht erkennbar. Pedipalpen-Endglied zu einem
kolbenförmig verdicktem Begattungsorgan umgebildet (Abb. 1, 7); Bulbus
rund kugelförmig und mit einfach dornförmiger Median-Apophyse, weitere
Details dort nicht feststellbar. Laufbeine lang und kräftig, mit feiner
Behaarung und mit zusätzlichen Stacheln‘:
! z.B. bedeutet 1-2-2: Auf der betreffenden Region des Segmentes stehen insgesamt
5 Stacheln, davon 1 basal median und weiter distal zweimal 2 nebeneinander.
Jh. Ges. Naturkde., Württ. 134 (1979)
133