Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 134, 1979)

Probleme und Stand der Großpilzkartierung
werden). Erste 50 „Europa-Karten“ brachte L. LANGE (1974) heraus; diese
verdienen jedoch ihre Bezeichnung kaum, da Länder wie die Sowjetunion,
Italien und Spanien gar nicht gemeldet hatten, andere wie Frankreich, Irland
 und einige Balkanstaaten kaum. Bisher sind nur die CSSR und die
DDR systematisch erforscht worden; die Bundesrepublik gehört zu den
mäßig bearbeiteten Arealen.
Die oben geschilderten Grundfeld-Raster ergeben zwar mit etwa 1700
Feldern für Europa ein brauchbares Netz, für die BR Deutschland erscheint
 eine Aufteilung in 91 Flächen zu je etwa 4000 Quadratkilometern
jedoch viel zu grob, und so schlug A. BREsINsKY (1973) bei seinem „Aufruf
 zur Mitarbeit am 2. Kartierungsvorhaben von Großpilzen in der
BRD“ u.a. vor, diese Arten auf der Basis topographischer Karten
1:25 000, der sog. Meßtischblätter (= MTB) zu kartieren, wie es bei der
floristischen Kartierung der Gefäßpflanzen Mitteleuropas üblich ist.
Als Verf. 1976 die Organisation der Kartierung in der BR Deutschland
übernahm, vereinigte er die beiden Programme zur Kartierungsliste I der
DGfP (Arten 001—150, alphabetisch aufgelistet), wobei nun grundsätzlich
auf MTB-Basis zu melden ist. So entstehen annähernd quadratische Felder
von etwa 130 qkm Fläche; die BR Deutschland umspannt annähernd 2200
MTB. In Zeitschrift für Mykologie (Z Mykol.) wurden Karten ausgewählter
 Porlinge, Röhrlinge und Blätterpilze veröffentlicht (KRIEGLSTEINER
1977, 1978, 1979); weitere Mitteleuropa-Karten werden folgen.
Unter dem Einfluß der verstärkten Umweltschutz-Diskussion (vgl.
Haas 1978, WInTERHOFF et al. 1978) erhöhten wir 1978 und 1979 die
Zahl der zur Kartierung aufgerufenen Arten auf 300 bzw. 400; außerdem
wurden die etwa 220 Mitarbeiter im In- und Ausland gebeten, sich auch
an der Erfassung systematischer Artengruppen beteiligen zu wollen: Gasteromycetes,
 Boletales.
3. Zur Situation in Württemberg
Innerhalb der BR Deutschland erscheint Württemberg am gleichmäßigsten
 pilzfloristisch (= fungistisch) erfaßt zu sein, gefolgt vom Saarland
(KRIEGLSTEINER 1979). Nimmt man einen willkürlichen Maßstab, nämlich
die Zahl der hier erfaßten 75 Boletales, so kommt man zu folgendem Ergebnis:
 von den 172 MTB Württembergs können 19 als sehr gut bearbeitet
gelten (über 30 und bis zu 55 Boletales festgestellt), 44 als gut (20—30
Arten), 33 als mäßig (10—19 Arten), 51 als wenig (3—9 Arten), 25 als
nicht bearbeitet (0—1 Art). Der Durchschnitt liegt (bei 2560 gemeldeten
MTB-Punkten, Stichtag 31. 1. 1979) bei 15 Boletales pro MTB; dies erweckt
 den Eindruck „mäßig bearbeitet“, was einer Unterbewertung entspricht
 (wir werden noch darauf zurückkommen).
Auch in Württemberg sind also große regionale Bearbeitungsunterschiede
 zu verzeichnen. Besonders günstig liegen die Verhältnisse in Ostwürttemberg,
 im Raum Ulm, im Allgäu, im Ostschwarzwald, im Schönbuch,
während Hohenlohe, die Mittlere Alb, der Hegau und das westliche Oberschwaben
 kaum bearbeitet sind. Dadurch, daß die pilzreichen Gebiete gut,
die pilzarmen Gebiete schlecht bearbeitet sind, verstärkt sich das Ungleichgewicht.
 Die MTB-Kartierung hat erstmals deutlich auf diesen Um-Jh.
 Ges. Naturkde. Württ. 134 (1979)

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