Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 134, 1979)

Kleine Mitteilungen ;
letzten Jahren soll daher mit der starken Zunahme von altem Holz in unseren
 Wäldern zusammenhängen.
Ob nicht die anscheinend häufigeren Funde in letzter Zeit (es sind immer
 noch sehr wenige) auf bessere Nachsuche zurückgehen oder gar zufällig
 sind, bleibe dahingestellt. Daß in den letzten Jahren Holz „in einer
früher ungekannten Menge auf dem Waldboden umherliegt‘“, was nach
WEHRMAKER auf die veränderten Heizgewohnheiten zurückgehen soll,
wage ich jedoch, zumindest für den Schönbuch, zu bezweifeln. An dem
von mir genannten Fundort wenigstens ist kaum morsches Holz in nennenswerter
 Menge zu finden, jedenfalls nicht in unmittelbarer Nähe des
Fallenfeldes. Dagegen ist an den dichten Moosunterwuchs zu erinnern, der
durchaus in ähnlicher Weise wie moderndes Holz ein gleichmäßiges Mikroklima
 gewährleisten kann. Es muß zudem zu bedenken gegeben werden,
 daß am Boden liegendes Holz den Handfang sehr erleichtert, ganz
im Gegensatz zu dichten Laublagen oder größeren Moosrasen. Auch aus
diesem Grund könnte es scheinen, als bevorzuge der Schneckenkanker
morsches Holz als Unterschlupf.
Ein zufällig fast zur gleichen Zeit (22. 7. 1978) von mir gemachter weiterer
 Fund des Schneckenkankers mag diese Meinung bestärken. Auf einer
Exkursion in die Pyrenäen fing sich ein ausgewachsenes ®% Exemplar in
einer über Nacht aufgestellten, beköderten Bodenfalle. Es handelt sich um
dieselbe Art, gehört allerdings nach MARTENS (1969) der westlichen Rasse
I. hellwigi Iucantei SIMON an.
Der Fundort liegt in den französischen westlichen Vorpyrenäen im Tal
der Gave d’Aspe, 15 km S Lurbe St. Christau auf etwa 350 m Meereshöhe.
 Dies nach Norden verlaufende Tal ist im Bereich des Fundortes sehr
feucht und schattig. Die Fallen waren in der Talsohle an einer aus großen
Blöcken bestehenden Böschung aufgebaut, die ganz zusammenhängend und
sehr dicht mit Moos bedeckt war. Auch hier fehlte in unmittelbarer Nähe
totes Holz. Ich vermute daher, daß dichte Moospolster, die ja für ziemlich
 gleichmäßig hohe Luftfeuchtigkeit sorgen, ebenfalls einen sehr günstigen
 Lebensraum für den Schneckenkanker darstellen. Der beschriebene
Biotop paßt übrigens gut zu der teils troglophilen Lebensweise, die die
Westrasse I. hellwigi Iucantei nach MARTENS (1969) in den Pyrenäen führen
 soll.
WEHRMAKER (1977) weist ferner darauf hin, daß die MARTENssche
(1965) Meinung, der Schneckenkanker müsse als Glazialrelikt angesehen
werden, der außerhalb der Alpen in nur „die Gipfelregionen der Mittelgebirge“
 umfassende Restareale zurückgedrängt worden sei, auf Grund der
sich häufenden Funde in verhältnismäßig niederen Lagen revidiert werden
müsse. Auch meine Funde, beide unterhalb 400 m Meereshöhe, sprechen
gegen die Ansicht von MARrRTEns. Allerdings muß eingeräumt werden, daß
in den feuchten und kühlen Bachtälern des Schönbuchs in relativ niedrigen
 Lagen Faunenelemente der montanen Stufe vorkommen, etwa unter
den Carabiden, die anderwärts, z.B. im Schwarzwald, in weitaus höheren
Lagen zu finden sind.
Trotz der neueren Funde muß die Verbreitung des Schneckenkankers
noch als durchaus disjunkt angesehen werden. In Anbetracht der beiden
hier beschriebenen Fundumstände bin ich jedoch der Meinung, daß die
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 134 (1979)

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