Zur Vegetation und Ökologie des Kilimandjaro
/.
getationsarmut der alpinen Stufe des Kilimandjaro ist also zweifellos die Trok-
kenheit verantwortlich.
Die Tierwelt der alpinen Wüste des Kilimandjaro wurde von SAıT (1954) un-
tersucht. Er stellte fest, daß sich die meisten Insekten bevorzugt unter den
Pflanzen am Boden aufhalten und daß 12 von 14 pterygoten Insekten des Sat-
telbereiches flugunfähig sind, Eine solche Anpassung an die windreiche alpine
Stufe ist auch vom Ruwenzori bekannt.
Nahe der Kibohütte (4700 m) haben wir nur noch einzelne Gräser beobach-
tet, bei etwa 4600 m ein nicht sicher bestimmtes Senecio. Jedoch gibt es auch in
der Hochregion des Kibo noch verschiedene Blütenpflanzen. Entsprechend
den Klimaverhältnissen steigen diese im Westen am wenigsten hoch; von ober-
halb des Shira-Plateaus wird Senecio telekii bei ca. 4600 m als höchste Blüten-
pflanze angegeben (SaLT 1954). Auf der Ostseite reichen Senecio meyeri-johan-
nis bis gegen 4900 m, Arabis alpina und Senecio purtschelleri bis ca. 5000 m und
Senecio telekii soll noch höher gehen. An den Fumarolen im Bereich des
Reusch-Kraters wurden erstmals 1952 von SAMmPson Pflanzen gefunden, deren
Zahl bereits 1954 zugenommen hatte (SamPson 1981). Unklar bleibt, ob dies
auf eine Zunahme der Fumarolentätigkeit zurückgeht, wie SAMPSON vermute-
te, oder ob nur eine Folge mehrerer klimatisch günstiger Jahre die Ursache ist.
Gefunden wurden Helichrysum newii (Core 1981), Senecio purtschelleri, Nanno-
seris schimperi und Arabıs alpina (Sampson). Hier taucht die Frage auf, wie die
Diasporen zu den Standorten im Reusch-Krater gelangten. Jene der Composi-
ten dürften hinreichend flugfähig sein, aber für die Arabis-Samen steht eine Er-
klärung aus.
Zur Ökologie der afroalpinen Vegetation
Die vorherrschenden Lebensformen der Pflanzen der alpinen Stufe im weite-
ren Sinn können in das gebräuchliche Schema von RAUNKIAER schlecht einge-
ordnet werden. Sinnvollerweise erfolgt die Gliederung nach HEpBEre (1964)
in:
Horstgräser: mit Knospen, die durch tote Pflanzenteile gut isoliert und ge-
schützt sind
Polsterpflanzen
Stengellose Rosettenpflanzen: ihre Blattrosetten nehmen die Bodentempe-
ratur an (z.B. Haplocarpha, Swertia crassiuscula)
Hartlaubpflanzen: mit sklerenchymreichen Blättern. Diese können flächig
(Protea) oder nadel- bis schuppenförmig (= ericoid) ausgebildet sein (Erica-
ceen, Hebenstretia, Selago, Stoebe, Euryops). Ferner kommen mäßig sklero-
phylle, aber von einem dichten Filz toter Haare bedeckte Blätter vor (Heli-
chrysum, Senecio telekii).
Riesenrosetten- oder Schaftpflanzen: (Baumsenecien, Riesenlobelien). Sie
sind die interessantesten Charakterpflanzen der Höhenstufe der äquatoria-
len Gebirge Afrikas und zeigen die interessantesten Anpassungen an die be-
sonderen Umweltbedingungen. Ähnliche Lebensformen gibt es auch in an-
deren tropischen und subtropischen Hochgebirgen, so in den südamerika-
nischen Anden die Espeletien und die Bromeliacee Puya, auf Hawaii die
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 141 (1986)