Volltext: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 141, 1986)

Zur Vegetation und Ökologie des Kilimandjaro 
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getationsarmut der alpinen Stufe des Kilimandjaro ist also zweifellos die Trok- 
kenheit verantwortlich. 
Die Tierwelt der alpinen Wüste des Kilimandjaro wurde von SAıT (1954) un- 
tersucht. Er stellte fest, daß sich die meisten Insekten bevorzugt unter den 
Pflanzen am Boden aufhalten und daß 12 von 14 pterygoten Insekten des Sat- 
telbereiches flugunfähig sind, Eine solche Anpassung an die windreiche alpine 
Stufe ist auch vom Ruwenzori bekannt. 
Nahe der Kibohütte (4700 m) haben wir nur noch einzelne Gräser beobach- 
tet, bei etwa 4600 m ein nicht sicher bestimmtes Senecio. Jedoch gibt es auch in 
der Hochregion des Kibo noch verschiedene Blütenpflanzen. Entsprechend 
den Klimaverhältnissen steigen diese im Westen am wenigsten hoch; von ober- 
halb des Shira-Plateaus wird Senecio telekii bei ca. 4600 m als höchste Blüten- 
pflanze angegeben (SaLT 1954). Auf der Ostseite reichen Senecio meyeri-johan- 
nis bis gegen 4900 m, Arabis alpina und Senecio purtschelleri bis ca. 5000 m und 
Senecio telekii soll noch höher gehen. An den Fumarolen im Bereich des 
Reusch-Kraters wurden erstmals 1952 von SAMmPson Pflanzen gefunden, deren 
Zahl bereits 1954 zugenommen hatte (SamPson 1981). Unklar bleibt, ob dies 
auf eine Zunahme der Fumarolentätigkeit zurückgeht, wie SAMPSON vermute- 
te, oder ob nur eine Folge mehrerer klimatisch günstiger Jahre die Ursache ist. 
Gefunden wurden Helichrysum newii (Core 1981), Senecio purtschelleri, Nanno- 
seris schimperi und Arabıs alpina (Sampson). Hier taucht die Frage auf, wie die 
Diasporen zu den Standorten im Reusch-Krater gelangten. Jene der Composi- 
ten dürften hinreichend flugfähig sein, aber für die Arabis-Samen steht eine Er- 
klärung aus. 
Zur Ökologie der afroalpinen Vegetation 
Die vorherrschenden Lebensformen der Pflanzen der alpinen Stufe im weite- 
ren Sinn können in das gebräuchliche Schema von RAUNKIAER schlecht einge- 
ordnet werden. Sinnvollerweise erfolgt die Gliederung nach HEpBEre (1964) 
in: 
Horstgräser: mit Knospen, die durch tote Pflanzenteile gut isoliert und ge- 
schützt sind 
Polsterpflanzen 
Stengellose Rosettenpflanzen: ihre Blattrosetten nehmen die Bodentempe- 
ratur an (z.B. Haplocarpha, Swertia crassiuscula) 
Hartlaubpflanzen: mit sklerenchymreichen Blättern. Diese können flächig 
(Protea) oder nadel- bis schuppenförmig (= ericoid) ausgebildet sein (Erica- 
ceen, Hebenstretia, Selago, Stoebe, Euryops). Ferner kommen mäßig sklero- 
phylle, aber von einem dichten Filz toter Haare bedeckte Blätter vor (Heli- 
chrysum, Senecio telekii). 
Riesenrosetten- oder Schaftpflanzen: (Baumsenecien, Riesenlobelien). Sie 
sind die interessantesten Charakterpflanzen der Höhenstufe der äquatoria- 
len Gebirge Afrikas und zeigen die interessantesten Anpassungen an die be- 
sonderen Umweltbedingungen. Ähnliche Lebensformen gibt es auch in an- 
deren tropischen und subtropischen Hochgebirgen, so in den südamerika- 
nischen Anden die Espeletien und die Bromeliacee Puya, auf Hawaii die 
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 141 (1986)
	        
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