Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 141, 1986)

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ULRICH KuLL

Abb. 18: Senecio brassica R. E. Fr. et TH. Fr. jr. vom Mt. Kenya, Gras-Moor-Land bei
3700 m am Aufstieg zum Teleki-Valley.

(HEDsErG 1957). In anderen Fällen lassen sich eindeutige Unterarten (z.B. bei
Philippia trimera und den Baum-Senecien) oder sogar Arten (z. B. Lobelia, Helichrysum)
 unterscheiden. Das Ausmaß des evolutiven Wandels ist also sehr unterschiedlich.
 Ob eine echte genetische Separation der vikarlierenden Arten
stattgefunden hat, ist in der Regel unbekannt. In der Natur sind die Genpools
durch die räumliche Trennung separiert.
Bei den Dendrosenecien ist eine Waldform von Senecio johnstonii als Ausgangsform
 anzunehmen, die etwa die Gestalt und die Ansprüche der ssp. refractisquamatum
 oder battiscombei (aus Kenya) gehabt haben dürfte (MABBERLEY
1973). Die Evolution der Dendrosenecien ist am Mt. Kenya am weitesten fortgeschritten;
 dort sind zwei selbständige Arten in unterschiedlichen Lebensräumen
 entstanden, die alpine S. keniodendron und die ans Moorland angepaßte
Art S. brassica. Die Architektur von Senecio brassica entspricht übrigens jener
von Lobelia deckenii weitgehend; beide bilden kriechende Achsen. Am Kilimandjaro
 ist die Differenzierung der Dendrosenecien geringer: die Waldform
reicht in den Gras-Moor-Land-Bereich und bildet dort den Okotyp „S. kılimanjarı“.
 Durch Anpassung an die Bedingungen der alpinen Zone entstand die
Unterart ssp. cottonii. Unklar ist die erste Entstehung der baumartigen Senecien.
 Eine Bildung im Bergwald ist nicht wahrscheinlich, da es sich bei diesen
Schopfbäumen um Bautypen handelt, die vor allem beim Fehlen einer Konkurrenz
 um das Licht vorteilhaft sein können. Im Wald ist gerade die Konkurrenz
 um den Lichtfaktor aber sehr ausgeprägt. MABBERLEY (1973) nimmt aufgrund
 der Pachykaulie unter Aufnahme einer Hypothese von CORNER an, daß

Ih. Ges. Naturkde. Württ. 141 (1986)
            
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