Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 143, 1988)

Erwin Lindner 100 Jahre

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Megaloprepemyia
freyae Lind.
‚Familie Pterocallidae)
Brasilien

zeitweise im Vorstand des Vereins tätig, 1963 wurde er zum Ehrenmitglied
ernannt.
Der 95jährige ließ sich noch einige Male zu seinem Arbeitsplatz im Museum
bringen, aber eines Tages war das letzte Mal. LINDNER ertrug den Verfall seiner
körperlichen und geistigen Kräfte mit Geduld und Ruhe. Dann aber erkrankte
sein einziger Sohn schwer, ohne Aussicht auf Heilung, und am 22. Mai 1986
starb seine Frau an den Folgen eines Sturzes. Jetzt war der alte Mann auf fremde
 Hilfe angewiesen. Frau MARGrRIT BRÄUHÄUSER (Tochter des Geologieprofessors
 MANFRED B.) sorgte dafür, daß LINDNER in dem Altenpflegeheim der Hans-Rehn-Stiftung
 in Stuttgart-Rohr aufgenommen wurde. Dort wird er am 7.
April 1988 sein 100. Lebensjahr vollenden. Sein Zustand ist schlecht, aber er
leidet nicht unter Schmerzen. Seine Freunde und Kollegen kennt er nicht
mehr. Ein langes, erfülltes Leben geht langsam zu Ende.
Es entspräche aber nicht ERwIın LINDNERs Weltanschauung, würden wir die
Betrachtung seines Lebens mit den negativen Aspekten der letzten Jahre abschließen.
 Darum sei noch einmal er selbst zitiert. In den einleitenden Worten
zu den Fliegen des Federseegebietes (1923*) kommen seine Liebe zur Natur
und sein Sinn für das Schöne beispielhaft zum Ausdruck:
„Wenn der Frühling auch im Ried, im Moor seinen Einzug hält, der Zwergbirke
 gesprenkelte Knospen schwellen, das Sumpfveilchen sein bleiches Antlitz
 bescheiden erhebt, die Sphagnumpolster sich mit lieblichen, zartrosa gefärbten
 Andromedaglöckchen oder zierlichen Blütensternchen der Moosbeere
schmücken, wenn die gelben Büschel der Sumpfdotterblume weithin leuchten,
wenn der Brachvogel seinen Ruf wieder ertönen läßt, das Birkhuhn sich nach
einem passenden Versteck für sein Gelege umsieht und manchmal noch ein

Ih. Ges. Naturkde. Württ. 143 (1988)
            
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