Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 146, 1991)

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Grundlagenuntersuchungen
zur Landschaftspflege

Landespflege und Standortskartierung
Von Heinz Ellenberg

Die Landespflege strebt nach einer allen Nutzungszwecken gerechten,
zugleich aber naturverbundenen, gesunden und harmonisch wachsenden
Ordnung der Kulturlandschaft, Dieses Ideal kann nur in täglicher Kleinarbeit
 und mit mancherlei Kompromissen Schritt für Schritt verwirklicht
 werden. Gelegenheit zu solchen Fortschritten besteht vor allem
dort, wo ‚Eingriffe in die historisch gewordene und von der Natur mitbestimmte
 Verteilung der Pflanzen und Pflanzengemeinschaften erfolgen,
beispielsweise beim Begründen von Grünflächen aller Art, beim Verjüngen
 von Forsten oder Straßenbäumen, bei der Neuanlage von Obstpflanzungen,
 Weinbergen oder anderen Sonderkulturen, bei der Kultivierung,
 Melioration oder Aufforstung von Ödland, bei der Feldbereinigung
 und beim Rationalisieren landwirtschaftlicher Betriebe, bei der
Regelung von Flüssen, bei der Anlage von Straßen und Bahnen, beim
Einfügen technischer Großbauten in die Landschaft oder bei der Erweiterung
 von Städten.
Wenn diese Gelegenheiten nicht im Sinne der Landespflege genützt oder
wenn sogar zuweilen verhängnisvolle Fehler gemacht werden — sei es in
der Wahl der Pflanzenarten und -sorten, in der Verteilung der Nutzungsweisen
 oder in der Beurteilung der Folgen technischer Eingriffe —, so
liegt das in der Regel weder am guten Willen der verantwortlichen
Stellen noch an der unbelehrbaren Willkür einzelner, sondern sehr
häufig an einem ungenügenden Überblick über die von der Natur begünstigten
 Nutzungsmöglichkeiten oder über die naturgesetzlich eintretenden
 Auswirkungen der geplanten Maßnahmen. Und dieses Ungenügen
 ist in den seltensten Fällen persönliches Versagen, sondern
meistens Mangel an wissenschaftlichen Unterlagen oder an entsprechender
 Schulung im normalen Ausbildungsgang der betreffenden Sachbearbeiter,
 Hier liegen also wichtige Aufgaben der Grundlagenforschung
und der angewandten Wissenschaften, aber auch des Beratungswesens
und der Schulen sämtlicher Stufen bis hinauf zu den Hochschulen, Ohne
Hilfe von allen diesen Seiten wird das Mühen auch der eifrigsten
„Landespfleger‘* Stückwerk bleiben müssen,
Aus der Fülle der im Rahmen der Landespflege notwendigen wissenschaftlichen
 Aufgaben sei hier nur die Frage nach den naturgegebenen
Anbaumöglichkeiten von Nutzpflanzen herausgegriffen,

(O*
            
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