EINLEITUNG
Wir alle, soviel wir heute leben, fühlen, daß wir in einer
Wende der Entwicklung stehen. Und wie wir uns diesem
Bewußtsein gegenüber verhalten, das entscheidet über unser
ganzes Leben. „Untergang“ sagen die einen, „Anfang und
Aufstieg“ die anderen. Was ist das entscheidend Neue?
Der Aufstieg des Proletariats und die immer stärkere über
Völker- und Staatengrenzen reichende Verbundenheit der
menschlichen Gesellschaft. Die riesenhaft ausgedehnte Wirt-
schaft ist dabei, die Erde in eine einzige große Werkstatt zu
verwandeln, aber nicht für menschliche Bedürfnisse, sondern
für menschliche Gewinnsucht. Und sie ist dabei, den arbei-
tenden Menschen mehr als je in einen Werkstattsklaven zu
verwandeln. Dagegen erhebt sich der menschliche Lebens-
wille. Wir kennen die Erde besser wie unsere Väter, und wir
sprechen heute den Stolz und das Entzücken dieser Erkennt-
nis in tausend Zungen aus. Aber wir fühlen uns dennoch
fremd und entrechtet auf ihr. Wir haben sie uns, unserer
Arbeit und unseren Bedürfnissen noch zu erobern. Und wir
sind dazu nur imstande als Kameraden. Der Individualismus
des Einzelnen versinkt vor der großen Aufgabe, die uns ge-
stellt ist. Er macht der Solidarität der vorwärtsdringenden,
kämpfenden Menschheit Platz. Die Menschen fühlen wieder
als Pioniere und mit dem Gemeinschaftsgefühl des Pioniers.
Alle, die von diesem weltumfassenden Gemeinschaftsgefühl
getragen sind, die wissen, daß nicht im Besitz, nicht im Be-
wahren des Alten, nicht im Hüten von Grenzen und Vor-
rechten die Aufgabe besteht, daß eine andere Zukunft zu
anderen und größeren Zielen ruft, sie alle sind die Führer
und Propheten unserer Zeit. Es sind ihrer so viele, daß es
unmöglich ist, sie nur zu nennen. Viele sind noch in der Ent-
wicklung. Es ist unmöglich, ihr Gesicht schon deutlich zu
erkennen, Viele sind müde geworden auf dem Wege. Wir
wollen die Kameraden von einst nicht schelten, auch wenn
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