Volltext: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 147, 1992)

Spinnen aus dem Stadtgebiet von Stuttgart

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3. Ergebnisse

3.1 Wiesenstandorte

Insgesamt wurden 8 Standorte erfaßt, die einem sehr weit gefaßten Lebensraumtyp
 „Wiese“ zugeordnet werden können (vgl. Tab. 1). Gemeinsames
Merkmal der Wiesen ist ein gras- oder krautreicher, mehr oder weniger geschlossener
 Aufwuchs, der selten nicht (VS-Wi/r), in der Regel aber ein bis
mehrmals während der Vegetationsperiode gemäht wird.
Auf den Wiesenstandorten konnten insgesamt 3803 Individuen aus 80 Arten
festgestellt werden (Tab. 2). Die Artenzahlen der einzelnen Untersuchungseinheiten
 variieren sehr stark und liegen zwischen 11 (LG-Wi, VS-Wi/a) und 42
(VS-Wi/r). Pachygnatha degeeri, Pardosa hortensis, Pardosa pullata, Pardosa palustris,
 Trochosa ruricola, Erigone atra, Erigone dentipalpis und Enoplognatha thoracica
 gehören zu den typischen Elementen der Wiesenfauna des Stadtgebietes.
Viele dieser steten Arten erreichen gleichzeitig hohe Dominanzwerte, wobei
Pardosa palustris, als typische Art extensiv genutzter Wiesen, in der Feuerbacher
Heide und im zentralen Teil des Rosensteinparks jeweils % bzw. % der gefangenen
 Individuen stellt. Andere Arten, die weniger regelmäßig gefangen wurden
aber auf Einzelflächen höhere Dominanzwerte erreichten, sind Pirata latıtans,
Hahnia nava, Diplostyla concolor, Tiso vagans und Bathyphantes parvulus,
Die aufgeführten Arten zählen mit wenigen Ausnahmen zu den eurytopen
Vertretern der Kulturlandschaft. Besonders Pachygnatha degeeri, Pardosa hortensis,
 Erigone dentipalpis und Erigone atra besiedeln häufig stark gestörte Flächen
 und Pionierflächen.
Typischer Wiesencharakter kann aufgrund der Spinnenfauna vor allem den
Untersuchungseinheiten im Rosensteinpark und in der Feuerbacher Heide zugesprochen
 werden, wobei die Gesamtartenzahl im Park auffallend hoch liegt.
Auf der ruderalisierten Wiese am Voltasteg (VS-Wi/r) und der Wiese nahe der
Aubrücke (AB-Wi/a) sind Lycosiden deutlich unterrepräsentiert. Das Spektrum
 unterschiedlicher Anspruchstypen ist hier — entsprechend des inhomogenen
 Aufbaus der Einheit bzw. aufgrund verschiedener direkt angrenzender
Fremdbiotope — sehr heterogen.

3.2 Gebüsch/Saum-Standorte
5 Standorte mit Gehölzen und (zum Teil) vorgelagertem Saum wurden zu
einem Gebüsch-Saum-Komplex zusammengefaßt. (vgl. Tab. 1). Hier wurden
insgesamt 58 Arten mit 1082 Individuen nachgewiesen (Tab. 3).
Der qualitative und quantitative Aufbau der ermittelten Spinnengemeinschaften
 läßt wenig Übereinstimmung zwischen den Einheiten erkennen. Gemeinsam
 sind ihnen wieder einige euryöke Arten (Opportunisten) wie beispielsweise
 Dysdera erythrina, Pisaura mirabilis, Pachygnatha degeeri und
Pardosa hortensis, Im einzelnen hängt die Vergesellschaftung jeweils sehr stark
von der Ausdehnung und Dichte des Gehölzbestandes und von mikroklimatischen
 Faktoren in Bodennähe ab, die sich u.a. aus der Exposition des Standortes
 und dem Aufwuchs der Krautschicht ergeben.

Jh. Ges. Naturkde, Württ. 147 (1992)
	        
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