Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 147, 1992)

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Nachrufe

Leben nicht mehr losließen. Schon im Herbst 1940 kam er jedoch nach Posen,
wo er bis 1945 die Landbauaußenstellen Lodsch und Hohensalza betreute. Parallel
 zu seiner Amtstätigkeit begann er eine Dissertation bei P. W. 'THOMPSON
an der Universität Posen über das Obra-Moor, die aber in der Folgezeit verlorenging.
 Kurz vor Ende des Krieges mußte er auch diese Heimat verlassen und
gelangte über mehrere Stationen und berufliche Tätigkeiten als Lagerist,
Werksküchenleiter und Fremdsprachenkorrespondent nach Frankfurt/Main
an die Landwirtschaftsschule Groß-Gerau. In dieser fast moorlosen Gegend
hielt es ihn dann aber nur zwei Jahre. Schließlich kam er 1948 zuerst als
„Moorsachverständiger für Württemberg-Hohenzollern“ und später als Leiter
des Referats „Kulturtechnische Boden- und Moorkunde“ am Wasserwirtschaftsamt
 Sigmaringen zur langersehnten „Ruhe“, Diese Ruhe wurde in der
nun folgenden Zeit nur mehr von seiner unbändigen Reiselust mit seiner Familie
 unterbrochen — meist mit seinem so geliebten Wohnmobil, in dem der
Berichterstatter noch 1990 die erste gemeinsame Besprechung für die Weiterführung
 seiner Lehrveranstaltung „Einführung in die Moorkunde“ an der
Universität Hohenheim hatte.
Schon im Jahre 1950, nunmehr im zweiten Anlauf, promovierte er bei Prof.
Henrich WaLTeER über die Entstehung und die Vegetation des Häckler Rieds.
Dabei verbrachte er einige Monate am Geobotanischen Institut der ETH (Stiftung
 Rüsgr) bei Prof. Werner LüDı, wo er sich in die Palynologie einarbeitete.
1956 erhielt er von der Universität Hohenheim einen Lehrauftrag für das Fach
„‚Moorkunde“, an dem er bis 1989 festhielt und ihn nur schweren Herzens an
den Berichterstatter, „der nicht sein Schüler war“, abgab. In diesem Fach habilitierte
 er sich 1964 und wurde 1971 zum apl. Professor ernannt.
In diese Zeit fallen sein von ihm hinterlassenes Lebenswerk der Moorkarte
Baden-Württemberg — insgesamt 13 Kartenblätter im Maßstab 1:50 000 —
und „seine“ Moor- und Torfkunde, deren dritte Auflage in der Schweizerbart”
schen Verlagsbuchhandlung in Stuttgarter noch ein Jahr vor seinem Tode erleben
 durfte. In der vielseitigen Betrachtung der Themen Moor und Torf ist dieses
 Werk bisher einzigartig. Den Mitgliedern der Gesellschaft für Naturkunde
ist er schließlich über seine zahlreichen Federseestudien bekannt.
Prof. KARLHANS GÖTTLICH war maßgeblich an der Gründung der Deutschen
Gesellschaft für Moor- und Torfkunde (DGTM) beteiligt. Er leitete darin nicht
nur 12 Jahre lang die Sektion Geowissenschaften, sondern organisierte auch
zahlreiche Tagungen in diesem Rahmen. Die DGMT hat ihn dafür 1983 mit
der C. A. Weser-Medaille ausgezeichnet. Dieser Ehrung war 1979 schon die
Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für die „Verdienste um die Erforschung
 und Erhaltung der Moore Südwestdeutschlands“ vorausgegangen.
Mit dieser letztgenannten Auszeichnung wird deutlich, daß er versucht hat,
Moore immer allumfassend zu betrachten, nicht nur aus meliorationstechnischer
 Sicht, wie manche Kollegen ihm manchmal unwissend vorwerfen mochten.
 Dieser allumfassende Ansatz hat den Berichterstatter fasziniert, auch wenn
sich Prof. GörrtLicH mit diesem hohen Anspruch manchmal schwer tat und
sich selbst im Wege stand, wenn er ihn nicht erfüllen konnte. So umfaßten
seine Forschungsarbeiten moorstratigraphische, vegetationsgeschichtliche, bodenphysikalische
 und moorhydrologische Fragen und Themen der Regional-Ih.

 Ges. Naturkde. Württ. 147 (1992)
            
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