43Q
Nachrufe
MANFRED GWINNER es tat. Unsere Ansichten stimmten überein oder ergänzten
sich — beide von jahrzehntelanger Erfahrung geprägt. Sollte nun die Zusammenarbeit,
das Miteinander auf Distanz, Ausbildung und Forschung, Weiterbildung
in der Praxis, Geben und Nehmen von beiden Seiten, von Universität
und Geologischem Landesamt zu Ende sein? Schwer vorstellbar — und doch
vielleicht endgültig!
MANFRED PAUL GWINNER wurde am 24. Juni 1926 in Stuttgart geboren. Der
Vater, WILHELM GWINNER, Prokurist einer Privatbank, die im Dritten Reich
aufgegeben werden mußte, war danach in leitender Stellung bei den Technischen
Werken der Stadt Stuttgart tätig. Die Mutter, THEKLA, geb. HOFMANN,
entstammte einem Handwerkergeschlecht in Stuttgart. MANFRED GWINNER
wuchs in Stuttgart-Botnang, geborgen in einem harmonischen Elternhaus mit
großem Garten und in naturnaher Umgebung, auf. Nach der Volksschule besuchte
er das Dillmann-Gymnasium in Stuttgart. Er war ein hervorragender
Schüler, für den ein Preis am Ende eines Schuljahres nicht außergewöhnlich war.
Im Jahr 1944 erhielt er das Notabitur und trat anschließend als Sanitätsoffiziers-Anwärter
in das Heer ein. Sein Wunsch war es, Militärarzt zu werden.
Bei Kriegsende geriet er in amerikanische Gefangenschaft in die Lager Bad
Kreuznach und Heilbronn. Im Spätsommer 1945 kehrte er zurück. Die Erlebnisse
in dieser Zeit, hungernd, in Kälte und Regen, von Kranken und Sterbenden
umgeben, haben ihn, wie man seinen Erzählungen entnehmen konnte,
stark beeindruckt.
Schon im Wintersemester 1945/46 begann GwINner an der Technischen
Hochschule Stuttgart mit dem Studium der Naturwissenschaften, besonders
der Chemie. Wie damals fast alle Studienbewerber, mußte er zuerst mehrere
Wochen Aufräumungsarbeiten an den zerstörten oder auch stark beschädigten
Hochschulgebäuden leisten, bevor er mit dem Studieren beginnen konnte.
Kindheitseindrücke von Wanderungen mit dem naturliebenden Vater, der sich
allerdings besonders der Botanik zugewandt hatte, mögen ihn bei der Wahl der
Studienrichtung beeinflußt haben. Zu einem Schlüsselerlebnis wurde ihm jedoch
der Besuch eines Antiquariats, in dem der EMANUEL KAysers „Lehrbuch
der Geologie“ fand und mit dem Versprechen erwerben konnte, die Bücher
nicht — wie damals gang und gäbe — gewinnbringend zu verkaufen oder gegen
andere Gegenstände zu tauschen, sondern nur für seine Studien zu verwenden.
Das vierbändige Werk hat GwInner so beeindruckt, daß er im Sommersemester
1947 zur Geologie überwechselte. Ordinarius für Geologie und Mineralogie war
Prof. Dr. MANFRED BRÄUHÄUSER, der nicht nur Generationen von Geologen,
sondern auch von Bauingenieuren für die Geologie begeistern konnte. Er, sowie
Privatdozent Dr. EBERHARD OSTENDORFF, von Haus aus Bodenkundler aus der
StTrREMME-Schule in Danzig, und Landesgeologe Dr. HERMANN ÄLDINGER waren
seine geologischen Lehrmeister. Hätte er seine lebendigen Schilderungen über
das Studium in den ersten Nachkriegsjahren, wo es noch Trisemester gab,
schriftlich festgehalten, so wäre ein Zeitdokument von hohem Rang entstanden.
GWINNER fertigte 1949 zusammen mit DıETEr Betz, dem späteren Explorations-Manager
und Direktor der Erdölfirma BEB in Hannover, bei Professor
OSsTENDORFF seine Diplomarbeit über die Geologie im Stadtgebiet von Bremerhaven
und promovierte 1951 mit einer Dissertation über den Grenzbereich
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 147 (1992)